{"id":2478,"date":"2010-04-20T11:57:29","date_gmt":"2010-04-20T09:57:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/?p=2478"},"modified":"2010-04-20T17:45:28","modified_gmt":"2010-04-20T15:45:28","slug":"man-erkennt-gute-filme-nur-wenn-man-im-vergleich-auch-schlechte-sieht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/2010\/04\/20\/man-erkennt-gute-filme-nur-wenn-man-im-vergleich-auch-schlechte-sieht\/","title":{"rendered":"Man erkennt gute Filme nur, wenn man im Vergleich auch schlechte sieht."},"content":{"rendered":"<p>Ein Sprichwort sagt &#8222;Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul&#8220;. Also machte man sich gestern Abend daran, die DVD von &#8222;Killers&#8220; zu schauen, die einer Freundin von lieben Verwandten in einem Osterpaket mitgesendet wurde. Ein kurzes \u00dcberfliegen der R\u00fcckseite vom Cover l\u00e4sst zwar einen ziemlich mittelm\u00e4\u00dfigen Film vermuten, aber was hat der Inhalt eines Streifens schon mit der Aufmachung seiner Verpackung zu tun.<\/p>\n<p>Bei &#8222;Killers&#8220; geht es um zwei Br\u00fcder, die ihre Eltern mit wei\u00df Gott wie vielen Sch\u00fcssen ermordet haben und nun aus dem Hochsicherheitstrakt entfliehen konnten. Jetzt verschl\u00e4gt es sie auf der Flucht in ein lahmes kleines Kaff zu einer lahmen kleinen \u00e4u\u00dferst christlichen Familie. Vater, Mutter, zwei T\u00f6chter (Teenie und Kleinkind) m\u00fcssen den beiden Wahnsinnigen unfreiwillig Unterschlupf gew\u00e4hren \u2013 was sie sich irgendwann nicht mehr bieten lassen. Das ist die grobe Story, liest sich nach einem Klassiker \u00e0 la &#8222;Last House on the Left&#8220;.<\/p>\n<p>Im DVD Men\u00fc ert\u00f6nt auch sogleich &#8222;In the Garden of Eden&#8220;, ein Klassiker, der die Vorfreude auf 82 Minuten guter Unterhaltung sch\u00fcrt. Also &#8222;Film ab&#8220;, volle Lautst\u00e4rke und los geht&#8217;s.<br \/>\nJa, los geht&#8217;s &#8211; mit der langen langen Liste an Dingen, die an diesem Film zu bem\u00e4ngeln sind. Schon nach wenigen Sekunden merkt man deutlich: Die Synchro hier ist schlecht. Ich meine RICHTIG schlecht. Monoton gelangweilt brabbelt die deutsche Tonspur vor sich hin, jeder N24-Bericht hat mehr Feuer und Leidenschaft in der Stimme als diese Gruppe von schwer lethargischen Synchronsprechern.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich einschl\u00e4fernd sind auch die Dialoge, sich hypnotisch um einen Haufen sinnlosen Nichts rankenden Gespr\u00e4chsfetzen, die immer mal wieder vom laut schmatzenden Ger\u00e4usch an einer Kippe ziehender Lippen unterbrochen werden. \u00dcberhaupt scheint Herr Mendez, Regisseur vorm Herrn, v\u00f6llig fasziniert vom Rauchen zu sein, denn a) wird bei &#8222;Killers&#8220; stets und st\u00e4ndig geraucht und b) ist \u00fcberall, ja wirklich \u00dcBERALL blauer Dunst. Auch wenn die nette christliche Familie (erst mal) nicht raucht, bei ihnen daheim wabert sich der Qualm durch alle Ritzen. Ich vermute mal, damit man die einfallenden Lichtkegeln besonders gut erkennen kann. Ein Wahnsinnsmittel in der Geschichte des Films. So einpr\u00e4gsam, dass es hier \u00fcberall zu finden ist. Da muss dann auch keine logische Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Dunst her. Wer wei\u00df, vielleicht gibt&#8217;s ja einen Sumpf ganz in der N\u00e4he oder die Familie hat eine Nebelmaschine, die sie nie ausschaltet \u2013 der gem\u00fctlichen Stimmung wegen.<\/p>\n<p>Bevor ich zur Story zur\u00fcckkehre, m\u00f6chte ich auch auf die &#8230; ich suche das richtige Wort&#8230; fantastisch miserable Musikuntermalung (Ja, das passt.) hinweisen. Nehmen wir uns ein Keyboard von sagen wir 1992, bestenfalls 20 Mark und dr\u00fccken hier ab und an auf den lustigen gelben Knopf, der eigens abgespeicherte Midi-Sequenzen ableiert. Diesen hochkar\u00e4tigen L\u00e4rm vor Augen, zu dem normalerweise bestenfalls Rentnerp\u00e4rchen im Kurpark tanzen, kann man sich ein sehr gutes Bild von dem machen, was bei &#8222;Killers&#8220; leise s\u00e4uselnd im Hintergrund jammert. Es ist ein Elend. Besonders wirr wird es sp\u00e4ter, wenn manche Melodie ohne jeden erkennbaren Grund mitten im Dialog abrupt abbricht, nur um wenige Sekunden sp\u00e4ter wieder von vorne anzufangen. Vielleicht hatte man nur die ersten zehn Sekunden dieser MIDI-File. Das w\u00e4re zumindest f\u00fcr mich die einzig logische Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Doch bis zu dieser besagten Stelle muss man erst mal durchhalten, denn der Film beginnt auch dramaturgisch \u00e4hnlich wie seine gesamte Sound-Kulisse: lahm. Lahm, lahm und nochmal lahm. Sogar als die Killer-Br\u00fcder schon im Haus sind, der Film bleibt lahm. Weder der Puls des Zuschauers steigt auch nur einen Moment \u00fcber den in der Rem-Phase hinaus, noch scheint die arme Familie sonderlich beeindruckt von den zwei Massenm\u00f6rdern in ihrem Wohnzimmer zu sein. Nein, es wird seelenruhig in aller Vernunft weiter erz\u00e4hlt, als h\u00e4tte man gerade mit den Nachbarn einen kleinen aber gelangweilten Schwatz am Gartenzaun.<\/p>\n<p>Und hier muss \u2013 meines Erachtens nach \u2013 der geniale Geist des Regisseurs eingesetzt haben. Ihm wurde klar, dass er hier einen gro\u00dfen Haufen Mist in die Porzellansch\u00fcssel der Direct-to-DVD Productions setzt und er lenkte schlagartig um: Pl\u00f6tzlich findet sich der Vater auf einen Stuhl gefesselt wieder und wird geschminkt w\u00e4hrend die Mutter auf dem Scho\u00df des einen Killer-Bruders hockt, ihm z\u00e4rtlich durch die Haare f\u00e4hrt und sie sich \u00fcber ihren eigenen Mann lustig macht. Der andere Bruder, na ja, der k\u00fcmmert sich intensiv um die 17 j\u00e4hrige Tochter, die es pl\u00f6tzlich kaum erwarten konnte, ihm ihren nackten K\u00f6rper entgegen zu strecken und die Kleinste m\u00f6chte unbedingt ein Autogramm der Killer.<\/p>\n<p>Hier stellt sich der Zuschauer, der bisher noch nicht abgeschaltet hat oder eingeschlafen ist (Was keine Schande w\u00e4re) zum ersten Mal die Frage: &#8222;Was zum GEIER?&#8230;.&#8220;<\/p>\n<p>Aber keine Angst. Es wird noch besser. Oder eben schlimmer, je nach dem. Denn wenn man gerade versucht sich selbst eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr das seltsame Verhalten der Damen zu schustern, kommt auch schon der n\u00e4chste Geistesblitz von Mike Mendez: Der Film ist immer noch kacke, wir brauchen einen radikalen Wandel in der Story! Und da ist nat\u00fcrlich nichts naheliegender, als den Spie\u00df umzudrehen. Also, neue Karten:<br \/>\nMama ist eine psychopathische Massenm\u00f6rderin, Papa ein labiler Vietman-Veteran und die freiz\u00fcgige \u00e4lteste Tochter schie\u00dft am Liebsten in ihrem Cheerleader Kost\u00fcm unschuldige Zivilisten mit ihrer M16 um.<br \/>\nDieser spontane Sinneswandel kommt unseren Anti-Helden (wer auch immer gerade diese Rolle inneh\u00e4lt) just in dem Moment, als die Spezialeinheit der Polizei ins Haus st\u00fcrmt, um die Familie zu retten. Angef\u00fchrt von einer Frau, die wahnsinnig gerne Schimpfw\u00f6rter benutzt, steht also ein gutes Dutzend schwer bewaffneter G.I. Joes im Wohnzimmer, die nur aufgrund eines Tipps vom kauzigen alten Nachbarn das richtige Haus gefunden haben. Und anstatt das Geb\u00e4ude zu durchsuchen, bleibt das SWAT-Team erst mal zum Plaudern in der Stube (vielleicht gibt es ja Pl\u00e4tzchen, kann doch sein) und l\u00e4sst somit dem Vater (der sich inzwischen befreien konnte) genug Zeit, um einen der Polizisten mit der Axt zu erschlagen w\u00e4hrend seine Frau der fluchenden Leitung des Teams die Kehle durchschneidet. Ja, so kann&#8217;s im Leben gehen. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt und drittens muss es keinen Sinn ergeben.<\/p>\n<p>Schnitt, was mit dem Rest der Spezialeinheit passiert ist, wei\u00df keiner, offenbar haben ein K\u00fcchenmesser und eine Axt gereicht, denn inzwischen ist Killer-Bruder Nummer Eins im Keller und wird dort von &#8222;Bob&#8220;, einem verkorksten Zombie-Kind der Familie, mit Lebensmitteln versorgt. (???) W\u00e4hrenddessen hat sich die Polizistin mit dem losen Mundwerk (Ja, die, die eigentlich eben noch mit aufgeschlitzem Hals den Teppich vollsaute) in Killer-Bruder Nummer Zwei in einem anderen Teil des Kellers verschanzt (Es ist n\u00e4mlich ein ganzes Labyrinth m\u00fcsst ihr wissen, welcher amerikanische Haushalt hat das nicht!) und gesteht ihm ihre gro\u00dfe Liebe, kurz bevor ein Haufen Kannibalen (???) auf das ungleiche Paar zu st\u00fcrmt und die Dame im nicht stattfindenden Kugelhagel eine t\u00f6dliche Bauchverletzung erleidet.<\/p>\n<p>Jetzt geht alles ganz schnell, Mendez merkt, dass er so viel Gr\u00fctze versucht hat unterzubringen, dass der Film nicht mehr zu retten ist. Bob wird von seinem Teilzeit-Z\u00f6gling ermordet, dieser wiederum findet ein j\u00e4hes Ende bei der \u00e4ltesten Tochter, die ihn mit mehreren Salven ins Jenseits ballert. Der andere Killer knallt noch schnell Mami ab, r\u00e4cht seinen Bruder und wird von Papi sechs Mal angeschossen. Er kriegt aber seine Flinte nochmal hoch, Papa geht hops und er taumelt zur\u00fcck ins Wohnzimmer, wo er nochmal eine kleine Schie\u00dferei mit der J\u00fcngsten hat(!). Wieder kriegt er ein ganzes Magazin ab, macht nichts, er schie\u00dft die Kleine \u00fcber den Haufen und verl\u00e4sst das Haus nach drau\u00dfen. Dort war bisher ein weiterer Trupp der Spezialeinheit zugegen, jetzt liegen ein Haufen Gliedma\u00dfen auf dem Rasen, die von noch mehr Kannibalen angeknabbert werden. Pl\u00f6tzlich ist der Tattergreis wieder da (Genau, der mit den tollen Tipps f\u00fcr die Polizei) und befehligt seine Freunde den \u00fcbrig gebliebenen Killer-Bruder ebenfalls zu verspeisen. Und Ende.<\/p>\n<p>Tja, genauso verwirrt, wie ihr es jetzt wahrscheinlich seid, waren wir am Ende dieses Films auch. Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen: Seltsamer Film mit miesen Dialogen, grauenhaften Synchronsprechern, furchtbarer Musik und v\u00f6llig sinn- und zusammenhangsloser Story, die sich in keinem Ma\u00dfe auch nur ann\u00e4hernd selbst erkl\u00e4rt. Viel Freiraum f\u00fcr Spekualtionen aller Art \u2013 und ich g\u00f6nne mir diese Freiheit mit dem Urteil: Schei\u00df Film.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Sprichwort sagt &#8222;Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul&#8220;. Also machte man sich gestern Abend daran, die DVD von &#8222;Killers&#8220; zu schauen, die einer Freundin von lieben Verwandten in einem Osterpaket mitgesendet wurde. 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