{"id":2829,"date":"2010-07-04T08:11:03","date_gmt":"2010-07-04T06:11:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/?p=2829"},"modified":"2010-07-04T16:47:09","modified_gmt":"2010-07-04T14:47:09","slug":"turning-point","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/2010\/07\/04\/turning-point\/","title":{"rendered":"Turning Point"},"content":{"rendered":"<p>Den vorangegangenen Artikel von nyx finde ich insofern sehr interessant, als er ein weit verbreitetes Ph\u00e4nomen skizziert, das uns alle anzutreiben scheint, n\u00e4mlich das unabl\u00e4ssige Streben zum Besseren hin und das Lamentieren dar\u00fcber, wenn es mal nicht so l\u00e4uft wie wir es uns gew\u00fcnscht h\u00e4tten. Ich will den Erkl\u00e4rungsversuch unternehmen, warum es trotzdem nicht immer so einfach ist auch als Wohlst\u00e4ndler das Leben in seinem So-sein zu akzeptieren, auch wenn man versucht sich damit zu beruhigen, die Orientierung f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Leben am menschlichen Armenhaus als Gegenpol festzumachen nach dem Motto: Es k\u00f6nnte ja schlimmer sein. Sicherlich ein St\u00fcck weit Selbstschutz um nicht durchzuknallen, weil sich die Existenz manchmal so anf\u00fchlt als w\u00e4re alles vernagelt und gar nichts mehr geht. Die abgelehnten Bewerbungen; die umst\u00e4ndliche Lebenssituation, die l\u00e4ngst einer Novellierung bedarf; die ausgelutschten Freundschaften. Dagegen ein Leben in den Slums oder m\u00f6glicherweise von Stasi-Panzermutter Angela Ferkel per One-Way-Ticket in einen Kriegseinsatz nach Kabul versendet zu werden, in die Waagschale zu werfen, ist nicht unbedingt auf eine wohlstandsorientierte, sich im wirtschaftlich\/kulturellen Wandel befindliche Gesellschaft anwendbar. Niemandem kann man es verdenken, wenn er sich nach dem Besseren sehnt und orientiert. Anderer Stand &#8211; andere Plage. Die Wohl- und Missstands-Skala auch in der so genannten zivilisierten Welt ist riesig. Sie reicht vom unzufriedenen Fabrikarbeiter in Reihenhaus-Romantik mit 1500 Euro im Monat bis zum Schaich mit Besitzt\u00fcmern, die das Jahresbruttosozialprodukt eines Industriestaates und mehr ausmachen. Wo ist der Ma\u00dfstab? Woran macht der Mensch seine Zufriedenheit fest? &#8211; Fest steht, auch der Schaich hat zu meckern und wird das W\u00fcstensandkorn auf dem goldplattierten Gemballa-Designer-Ferrari genauso entnervend finden, wie der Fabrikarbeiter den hingeworfenen Stein in seinem Schrebergarten. Letztlich ist der Garant f\u00fcr Unzufriedenheit derjenige, n\u00e4mlich ein stumpfsinniges Leben zu leben, das nur eine Wiederholung von Wiederholungen darstellt. Die Fabrik betreten, im Wissen dass immer dieselben Handlungen den Tag bestimmen und die einzige Abwechslung die Variante davon sein wird. Der rettende Hupton entl\u00e4sst den armen Kerl aus dem ,,sicheren Arbeitsplatz&#8220; wieder in seine einstmals als Endziel gew\u00e4hlte Freiheit mit l\u00e4rmender Kinderschar und jammernder Ehefrau mit Geldmankodepression. Aus seiner Entscheidung, die er in der Sturm-und-Drang-Periode leichtfertig geschlossen hat, hat er es nicht geschafft vom Beruf in die Berufung zu fallen. Feierabendgl\u00fcck vor der 47&#8243;LED-Flatscreen-Ambilight-Traummaschine an der Wand, das Krombacher in der Linken mit Einschlafgarantie schafft die n\u00f6tige Tranquilisation um sich nicht mit seinen l\u00e4ngst f\u00e4lligen grundlegenden Lebensver\u00e4nderungen auseinandersetzen zu m\u00fcssen &#8211; Das wirkliche Gl\u00fcck &#8211; es l\u00e4sst noch auf sich warten. Vielleicht klappts dann das n\u00e4chste Mal mit Lotto &#8211; Mal seh&#8217;n. Und so verstreicht das Leben, das nur aus aneinander gereihten klitzekleinen Augenblicken besteht. Und genau dieser Moment wird vergeudet. Warum diesen Augenblick festhalten wollen? Im Wissen, dass das Leben flie\u00dft und die einzige Konstante dabei die Ver\u00e4nderung ist und bestimmt NIE alles so bleiben wird wie es ist, lassen sich so manche Ver\u00e4nderungen, auch die scheinbar negativen, besser ertragen. Wirklich frei ist nur derjenige, der sich NIE wirklich dauerhaft f\u00fcr etwas entschieden hat. Weil die Entscheidung F\u00dcR etwas, ihn auf die Eine Seite schl\u00e4gt und die Andere Seite f\u00fcr ihn somit f\u00fcr immer gelaufen ist. Somit ist er in der Polarit\u00e4t eines unumst\u00f6\u00dflichen Urprinzips gelandet dem wir alle unterworfen sind und es gibt kein zur\u00fcck. Bhagwan Shree Rajneesh hatte es in den Siebzigern in Poona versucht zu vermitteln. Frei ist nur derjenige, der sich jenseits der Polarit\u00e4t bewegt. Der einzig neutrale Boden im Universum. Diejenigen die es verinnerlicht hatten, sind heute liebende freie Eltern mit erwachsenen Kindern, ohne Ressentiments, offen f\u00fcr die Welt und keineswegs korsettierte Spie\u00dfb\u00fcrger in Vorstadth\u00f6llen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den vorangegangenen Artikel von nyx finde ich insofern sehr interessant, als er ein weit verbreitetes Ph\u00e4nomen skizziert, das uns alle anzutreiben scheint, n\u00e4mlich das unabl\u00e4ssige Streben zum Besseren hin und das Lamentieren dar\u00fcber, wenn es mal nicht so l\u00e4uft wie wir es uns gew\u00fcnscht h\u00e4tten. 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