{"id":3194,"date":"2010-08-21T16:54:49","date_gmt":"2010-08-21T14:54:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/?p=3194"},"modified":"2025-06-24T07:23:32","modified_gmt":"2025-06-24T05:23:32","slug":"gotter-wetter-sesamstrase","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/2010\/08\/21\/gotter-wetter-sesamstrase\/","title":{"rendered":"G\u00f6tter, Wetter, Sesamstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Die kleine Emma, gerade mal 5 Jahre alt, machte sich schon gro\u00dfe Gedanken \u00fcber die Welt. Oft \u00fcberlegte sie sich, welche Rolle sie in der Welt einnimmt und welche Rolle die Welt \u00fcberhaupt spielt. Sie blickte mit ihren blauen Kulleraugen in den Himmel und stellte sich einen Gott vor. Einen sehr m\u00e4chtigen und flauschigen Gott in lila. Er kam Samson aus der Sesamstra\u00dfe verbl\u00fcffend nah, was vielleicht am von den Eltern ausgew\u00e4hlten Fernsehprogramm lag. Gro\u00df, zottelig, kr\u00e4ftig und bestechlich wie das Kr\u00fcmelmonster, entschied dieser der Phantasie entsprungene Gott, \u00fcber Gut und B\u00f6se. Wenn man ihm ein paar Kekse schenkt und sich lieb an sein weiches Fell kuschelt, kann man ihn milde stimmen und er schimpft nicht, wenn man das Zimmer nicht aufr\u00e4umen mag. Funktionierte schlie\u00dflich bei Papa auch meistens. So stellte sich Emma ihre heile Welt vor.<\/p>\n<p>Bis sie traurig feststellen musste, dass es die Zahnfee gar nicht gibt. Sie hatte ihren Papa dabei erwischt, wie er Geld unter ihr Kopfkissen legte und daf\u00fcr den Milchzahn nahm. Sie sprang sauer und entt\u00e4uscht auf seinen R\u00fccken und pr\u00fcgelte mit den Kinderf\u00e4usten weinend auf die Schultern ein. Ihm schien es nicht viel auszumachen, ihr brach es den Glauben an die gute Fee. Und im selben Zug kam sie zu dem Entschluss, dass es Gott in dem Fall auch nicht geben kann und dass alles nur immer der Papa macht. Er war ja schlie\u00dflich auch im Kindergarten j\u00e4hrlich der Nikolaus unter dem viel zu gro\u00dfen Kost\u00fcm und als Sankt Martin auf dem Pferd erkannte sie ihn auch. Es war schlie\u00dflich ihr Pferd, auf dem er ritt. Trotzdem oder gerade deswegen, war Papa der Gr\u00f6\u00dfte in ihren Augen.<\/p>\n<p>Aber die vielen gro\u00dfen Aufgaben konnte ein Mann alleine doch gar nicht bew\u00e4ltigen. Also kam Emma auf die Idee, er m\u00fcsse viele kleine Helfer haben. Sie beschloss, dass es f\u00fcr jedes Themengebiet einen Gott geben muss und Papa ein Auge darauf hat, dass alles funktioniert.<br \/>\nEin Gott der sich um die Familie k\u00fcmmert, einer f\u00fcr die Freundschaften, einer f\u00fcr das Essen und Trinken, einer f\u00fcr die Tiere, einer f\u00fcr das Wetter, einer f\u00fcr die Pflanzen, die Gesundheit, das Geld, den Urlaub, die Tr\u00e4ume in der Nacht und einer f\u00fcr die Spielsachen. Es gab bestimmt noch sehr viele G\u00f6tter mehr in Emmas Vorstellung, aber sie beschr\u00e4nkte sich vorerst auf die f\u00fcr sie Wichtigsten.<\/p>\n<p>Ein paar Jahre sp\u00e4ter, musste sie feststellen, dass sie immer wieder mal von der Leistung der vielen G\u00f6tter entt\u00e4uscht wurde und nicht alles so gut klappt, wie sie sich das vorstellte. Vielleicht nahm Papa seine Berufung nicht so ernst, oder die Phantasie konnte so doch nicht ganz stimmen. Erneut machte sie sich Gedanken dar\u00fcber, wer wohl alles bestimmt und in die richtigen Wege leitet. Was war das M\u00e4chtigste, das Emma kannte? Ihr fiel nur eines ein.<br \/>\nDas Wetter! Das Wetter beeinflusst schlie\u00dflich nicht nur Emmas Laune, sondern auch die Fahrt zur Schule (Bus oder Rad), das Hitzefrei, die allgemeine Freizeitgestaltung, den Wachstum der Natur und das Sterben unz\u00e4hliger Lebewesen durch Naturkatastrophen. Und eben jene sind schlie\u00dflich auch nichts anderes als Wetter. Also wurde ihr klar, dass das Wetter so m\u00e4chtig ist, dass es g\u00f6ttlich sein muss! Somit waren Emmas neue G\u00f6tter geboren. Dieses Mal in Gestalt von Sonne (Hauptgott) und (den Kindern) Wind, Regen, Schnee, Nebel und Hagel.<\/p>\n<p>Irgendwann folgten Jahre der Orientierungslosigkeit. Emma war zu alt geworden f\u00fcr ihre kindlichen Weltanschauungen, wie man ihr sagte. Zeitgleich wusste sie aber nicht, was sie sonst glauben sollte. Sie wusste nicht mehr, wie sie sich die Welt am liebsten vorstellen m\u00f6chte. Liegt alles in den H\u00e4nden einer gro\u00dfen Macht, oder sind alle selbst f\u00fcr sich verantwortlich und m\u00fcssen dementsprechend auch die Konsequenzen resultierend aus ihrem Handeln tragen?<br \/>\nOder sind alle Menschen selbst eine Art Gott und durchleben unabh\u00e4ngig von Zeit und Raum jedes einzelne erdische Leben, ohne zu wissen, dass sie ein- und dieselbe Person sind, die sich selbst gegen\u00fcber steht?<br \/>\nVielleicht ist Emma auch nur eine Spielfigur, wie alle anderen auch, die von einer ganz anderen Intelligenz im Universum nach Belieben in einer Spielversion zwischen \u201eMatrix\u201c, \u201eMen in black\u201c und \u201eInception\u201c auf ein Spielbrett gesetzt wird.<\/p>\n<p>Sie stellt sich vor, wie die Erde nur ein Staubkorn in der Galaxie sein k\u00f6nnte, auf dem zuf\u00e4llig ein paar \u201eBakterien\u201c vor sich hin gedeihen, w\u00e4hrend auf anderen Staubk\u00f6rnchen ganz andere Keime wachsen, die eine eigene Zivilisation darstellen. Dann w\u00e4re alles ein Zufallsprodukt des Weltraums und sie h\u00e4tte bei einer gemutma\u00dften Unendlichkeit des Universums eventuell auch zuf\u00e4llig ein paar Doppelg\u00e4nger, die auf einem anderen Planeten ihr Unwesen treiben und auch nichts von Emmas Existenz wissen. Wer h\u00e4tte dann die \u201eMacht\u201c \u00fcber sie? Oder h\u00e4lt Emma nur an einer solchen h\u00f6heren Macht fest, damit sie einen Schuldigen gefunden hat? Und warum geht sie \u00fcberhaupt davon aus, dass das Universum das gr\u00f6\u00dfte ist, was es gibt? <\/p>\n<p>Vielleicht aber sollte Emma mal ihren Papa nach seiner Meinung fragen, oder einfach mal wieder die Sesamstrasse gucken. Uiuiuiui!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die kleine Emma, gerade mal 5 Jahre alt, machte sich schon gro\u00dfe Gedanken \u00fcber die Welt. Oft \u00fcberlegte sie sich, welche Rolle sie in der Welt einnimmt und welche Rolle die Welt \u00fcberhaupt spielt. 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