{"id":39,"date":"2009-05-03T21:58:01","date_gmt":"2009-05-03T19:58:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/?p=39"},"modified":"2009-09-20T22:34:01","modified_gmt":"2009-09-20T20:34:01","slug":"50-jahre-wo-ist-das-leben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/2009\/05\/03\/50-jahre-wo-ist-das-leben\/","title":{"rendered":"50 Jahre &#8211; wo ist das Leben?!"},"content":{"rendered":"<p>Verflixt, schon wieder eingeschlafen, dabei hab ich heute noch so viel vor. Der Termindruck w\u00e4chst mir mal wieder \u00fcber den Kopf. Tr\u00e4ume vom D\u00f6sen unter einem Olivenbaum. Das sch\u00e4umende Ger\u00e4usch strandender Wellen in weichem Sand lullt mich in eine Art Urgef\u00fchl, aus dem ich nie mehr erwachen m\u00f6chte. In der Ferne ein knatternder Fischkutter. Ein Gekko huscht \u00fcber meine Hand. Beim Erwachen entpuppt er sich jedoch als mein schnurrender Kater, der sich mit seiner samtigen Pfote liebevoll in meinen s\u00fc\u00dfen Traum einstreichelt, um mir zu signalisieren, dass wieder einer dieser Tage angebrochen ist, um \u00a0mir erneut das letzte Quentchen Energie abzusaugen und um bis zum Abend eine weitere ausgebrannte Z\u00fcndkerze im maroden Motor meiner angeschlagenen Existenz zur\u00fcckzulassen. Dabei hat gerade dieser Augenblick des Erwachens, eine besondere Qualit\u00e4t; die Schnittstelle bewu\u00dft wahrzunehmen, wenn sich Tag und Traum in die Quere kommen. Doch es ist einer dieser Morgen, an denen wieder der Tag gewinnen wird, ich im Bett liegen bleiben m\u00f6chte, um von nun an dieser ungeheuer ,,wichtigen&#8220; Welt nicht \u00a0mehr zur Verf\u00fcgung zu stehen.\u00a0Solche Tr\u00e4ume geh\u00f6ren zu meinem Leben, wie die ber\u00fchmte Prise Salz in die Suppe; wollen mir Fingerzeig sein f\u00fcr Richtung, Sinn oder Unsinn meines Denkens und Handelns. Ich hab mich schon an sie gew\u00f6hnt. Sie sind mir Freund und Feind zugleich. Kaum haben sie mir \u00a0in unumst\u00f6\u00dflicher Klarheit einen Wink \u00a0gegeben, schon schaltet sich der Verstand dazwischen, um in beinahe technokratischem Eifer das Kartenhaus meiner Fantasie zum Einsturz zu bringen und tausend Gr\u00fcnde aufz\u00e4hlt, warum dies oder jenes nicht funktionieren kann. Gedanken, die sich selber denken und in einen Automatismus von Gedankentriaden m\u00fcnden, sich immer wieder neu reproduzieren, um letztendlich in einem Pool intellektueller Selbstersch\u00f6pfung zu enden. Hoffnungslos, sich schon wieder die Sinnfrage zu stellen. Doch &#8211; wie w\u00e4r&#8217;s einfach mit akzeptieren. Das Leben so anzunehmen wie es ist? Was bitte w\u00e4re verkehrt, es einfach mal auszuprobieren. Den Tag in all seinen Facetten zu erschn\u00fcffeln ohne sich dar\u00fcber zu gr\u00e4men, wenn mal was nicht so gl\u00fccklich gelaufen ist. Den Sinn sch\u00e4rfen f\u00fcr den Genuss. Die Antennen ausfahren f\u00fcr Neues. Gestern, sehr sp\u00e4t rief mich eine Bekannte an, dieser personifizierte Dauerkonflikt auf zwei Beinen. Sie beklagte ihr selbst eingebrocktes Lebensleid. Eine gef\u00fchlte kleine Ewigkeit lie\u00df ich ihren kakophonischen Kauderwelsch \u00fcber mich ergehen, bis ich schlussendlich den H\u00f6rer weggelegt hab und zu Bett gegangen bin. Ich hoffe, sie hat &#8217;ne Flatrate! Man braucht manchmal schon Gro\u00dfmut, um Mittelma\u00df zu ertragen.\u00a0Warum hat so mancher Zeitgenosse ein schlechtes Gewissen, wenn er genie\u00dft? Darf das Leben erst genossen werden unter der Pr\u00e4misse, erst wenn es der \u00fcbrigen Welt so gut geht wie mir selbst bin auch ich an der Reihe? Wenn erst mal die Begeisterung abhanden gekommen ist f\u00fcr die sch\u00f6nen Dinge des Lebens und der Funke dazu fehlt, das alte Feuer wieder zu entfachen, was bleibt dann noch, au\u00dfer die eigene Existenz in all ihren Erscheinungsformen zu beklagen. Was soll die Planung aller erdenklichen Vorhaben, projeziert in eine fadenscheinige Zukunft, welche so zerbrechlich ist wie Glas. Fakt ist, das Leben duldet keine Probel\u00e4ufe, es findet im Hier und Jetzt statt. \u00a0Nicht etwa die Frage besch\u00e4ftigt mich, wo denn die Jahre geblieben sind, sondern wo die Begeisterung und die unstillbare Neugierde, die mich noch bis vor 20 Jahren antrieben. Stagnation, Abgew\u00fcrgtsein, Unmut, Aussichtslosigkeit, nichts worauf hingelebt wird, weil das Diktat des Erwerbszwangs, der immer wieder neue Zeitrahmen vorgibt sich wie ein Korsett um mich legt und jede Bewegung in Richtung Freiheit einschr\u00e4nkt. &#8211; Das kann&#8217;s nicht gewesen sein!<\/p>\n<p>An solchen Tagen, an denen l\u00e4stig repetierende Gedanken meinen Sch\u00e4del \u00fcberv\u00f6lkern, ist es mal wieder an der Zeit, am Herd die Flamme anzuwerfen um den kulinarischen Gen\u00fcssen zu fr\u00f6nen. Zum Beispiel ,, Salsa Verde&#8220;: Frisches Basilikum, 1 gr\u00fcne Paprika, Oliven\u00f6l, 2 Sardellen, Salz, Knoblauch (viiiiel Knoblauch). Alles zusammen im Mixer breiig mixen; mit Fusilli, Schinken und Ziegenk\u00e4se und noch besser in netter Gesellschaft anrichten. Dazu eine Flasche Barolo, und die aus der Balance geglaubte Welt ist wieder im Lot. ,,Sorget nicht f\u00fcr den morgigen Tag, denn dass jeder seine eigene Plage habe ist genug&#8220;. Wenn nur immer in den Augenblicken, in denen ich den Spruch brauchen k\u00f6nnte ich mich an denselben auch erinnern w\u00fcrde, dann w\u00fcrde mir das Leben im Zustand des ,,Hier und jetzt&#8220; wohl eher gelingen. Also liegt es immer an uns selber, wie wir unsere Existenz beurteilen. Jeder selbst hat sein eigenes Lebenslied zu w\u00e4hlen, wenngleich auch nach den durchgestandenen Trag\u00f6dien des Lebens das Singen deutlich schwerer fallen mag. Ich hab mal geh\u00f6rt, dass jeder Mensch seinen Platz im Kosmos hat. Hast du dich mal gefragt, wo deiner ist? Mit der Frage des Schicksals geht es mir \u00e4hnlich. Ich denke, dass dasselbe nicht fremdbestimmt ist. Du erf\u00e4hrst nur das Schicksal, das du dir selbst gibst. Und sich \u00fcber etwas k\u00fcnftiges, noch nicht realisiertes zu sorgen, ist wie Zinsen zahlen f\u00fcr Schulden die niemals gemacht wurden. Hast du erst mal gelernt nicht mehr in den alten Kategorien zu denken, kannst du auch Neuland betreten und die unseelige Sorge um die fadenscheinige Zukunft getrost vergessen. Machs einfach wie die Erfolgreichen. Nimm dir was du brauchst. Als wunderbares Beispiel f\u00fcr ungest\u00fcmen Lebensdrang und unersch\u00fctterliche Vita ist mir Josephine Baker eingefallen. Diese Mega-Adoptiv-Amme, die 12 Kinder aus aller Welt adoptierte, ihnen Schlo\u00df Les Milandes im Perigord zum Wohnen kaufte und aus ihrem Adoptiv-Taumel in den Adoptiv-Strauchel geraten ist, da sie trotz horrender Gagen in Paris und am Broadway N.Y. die finanzielle Last nicht mehr tragen konnte, hat an der Hintert\u00fcr ihres Schlosses, an der sie 2 Tage und 2 N\u00e4chte verweilte bis der Makler sie endg\u00fcltig des Hauses verwies gesagt: ,,Unsere Tr\u00e4ume k\u00f6nnten sich verwirklichen, wenn wir uns nur dazu entschlie\u00dfen k\u00f6nnten, daraus zu erwachen. Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben, daf\u00fcr aber den Tagen mehr Leben&#8220;! Ob dies nun eine glorifizierende Anekdote einiger fanatischer Anh\u00e4nger sei oder nicht, dar\u00fcber nachzudenken lohnt sich allemal!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verflixt, schon wieder eingeschlafen, dabei hab ich heute noch so viel vor. Der Termindruck w\u00e4chst mir mal wieder \u00fcber den Kopf. 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