{"id":4047,"date":"2010-10-31T03:08:46","date_gmt":"2010-10-31T01:08:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/?p=4047"},"modified":"2025-06-24T07:23:32","modified_gmt":"2025-06-24T05:23:32","slug":"das-psychokind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/2010\/10\/31\/das-psychokind\/","title":{"rendered":"Das Psychokind"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Wenn er Angst hat, schl\u00e4gt er um sich. Und Angst hat er oft.<br \/>\nEs ist nicht immer einfach in dieser Welt gro\u00df zu werden. Viele Normen und Werte, viele Regeln, Aufgaben, Prinzipien und das Bild in den K\u00f6pfen, wie alles zu laufen hat und wie die Menschen zu funktionieren haben. Anton kann dem allem nicht gerecht werden, was nicht hei\u00dft, dass er nicht will. Mit sieben hat er angefangen damit klar zu kommen, anders zu sein, als alle anderen. Jetzt ist er elf und hat keine Freunde. Seine Eltern, sein gro\u00dfer Bruder und die vielen \u00c4rzte und Psychologen sind seine einzigen Bezugspersonen. Und selbst die hasst er manchmal. Zumindest vermittelt er ihnen dieses Gef\u00fchl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Er h\u00f6rt h\u00e4ufig Dinge wie Aggressivit\u00e4t, schwieriges Sozialverhalten, Isolation, Fortschritte, Unruhe, Affekthandlungen, Hyperaktivit\u00e4t, Zwangsst\u00f6rungen, Depressionen und andere fremdartige W\u00f6rter aus dem Mund der Erwachsenen. Er selbst kann damit nicht viel anfangen, obwohl er es immer wieder von allen erkl\u00e4rt bekommt. Auch, warum er t\u00e4glich mehrmals Tabletten schlucken muss. Seine Mutter nimmt ebenfalls Tabletten, da sie ihn nicht anders ertragen kann, glaubt er zu wissen. Sein Vater arbeitet und bekommt das alles gar nicht so richtig mit. Sein Bruder ist gesund und verachtet ihn f\u00fcr die Massen an Aufmerksamkeit, die er von allen bekommt. Anton w\u00e4re selbst auch lieber gesund, aber schafft es einfach nicht. Das ist auch das einzige, was er an anderen beneidet, denn ansonsten glaubt er, intelligenter und besser als alle anderen zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Schule langweilt ihn, er f\u00fchlt sich unterfordert, obwohl er sehr schlechte Noten bekommt. Anton glaubt, dass es nur an seinem Verhalten liegt, welches nicht gerne gesehen wird. Die Lehrer m\u00f6gen es nicht, beschimpft zu werden, genauso wenig auch seine Mitsch\u00fcler. Zudem kann er nicht lange ruhig sitzen und st\u00f6rt damit auch oft den Unterricht. Wenn er wieder einmal andere Medikamente ausprobieren muss, wird er oft m\u00fcde und schl\u00e4ft dann auf der Schulbank ein. Auch das wird nicht gerne gesehen, aber die Mitsch\u00fcler m\u00f6gen ihn lieber schlafend als wach. Anton tr\u00e4umt sich deswegen oft in seine eigene Welt. Dort gibt es viele Tiere und technische Neuheiten, an denen er sich ausprobieren kann. Haustiere darf er in der realen Welt nicht haben, weil er sie qu\u00e4len w\u00fcrde und die technischen Ger\u00e4te werden von seinem Vater weggeschlossen, da sie zu teuer sind und er sie nicht kaputt machen darf. Anton glaubt auch, dass die Eltern nicht wollen, dass er wieder auf die Idee kommt, sich selbst mit Strom weh zu tun. Warum er das schon zwei Mal tat, wei\u00df er selbst nicht. Er kann gegen diesen Drang nichts machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Er hat gelernt, sich mit sich selbst zu besch\u00e4ftigen. Mit anderen Menschen kommt er eh nicht so gut zurecht, sie machen ihm Angst. Und seine Angst macht anderen Menschen Angst, da er sie nicht kontrollieren kann und dann um sich schl\u00e4gt. Aber es wurde laut seiner Psychotherapeutin schon viel besser. Nun wirft er nur noch mit Gegenst\u00e4nden, statt andere Personen zu hauen. Dass das Unrecht ist, wei\u00df er theoretisch schon. Er schreibt ein Tagebuch in dem er alle unartigen Gedanken und T\u00e4tigkeiten nieder schreibt und sanktioniert sich manchmal sogar selbst, indem er sich selbst dazu zwingt, auf manche Dinge zu verzichten. Wenn er sich den Fernseher verbietet, sitzt er oft stundenlange vor dem Fenster und klebt dieses mit schwarzem Tonpapier ab, damit seine Krankheit nicht nach au\u00dfen dringt und andere Menschen infiziert. Dabei macht er sich viele Gedanken \u00fcber seine Zukunft. Er m\u00f6chte nicht f\u00fcr immer \u201eschlecht\u201c sein. Ob die Ausartungen nun an der Krankheit oder an seinem b\u00f6sen Wesen mit schwierigem Charakter liegen, wei\u00df er nicht und bekommt es auch nicht eindeutig von den Erwachsenen gesagt.<br \/>\nSein Ziel ist es, irgendwann ohne Medikamente ein normales Leben zu f\u00fchren, ohne von allen verachtet und gehasst zu werden. Er k\u00f6nnte aber auch alle Tabletten auf einmal nehmen, die ihm t\u00e4glich portioniert werden. Vielleicht ist das die L\u00f6sung!?!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn er Angst hat, schl\u00e4gt er um sich. Und Angst hat er oft. Es ist nicht immer einfach in dieser Welt gro\u00df zu werden. Viele Normen und Werte, viele Regeln, Aufgaben, Prinzipien und das Bild in den K\u00f6pfen, wie alles zu laufen hat und wie die Menschen zu funktionieren haben. 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