{"id":4690,"date":"2011-08-04T22:11:09","date_gmt":"2011-08-04T20:11:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/?p=4690"},"modified":"2025-06-24T07:23:31","modified_gmt":"2025-06-24T05:23:31","slug":"universelle-problematik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/2011\/08\/04\/universelle-problematik\/","title":{"rendered":"Universelle Problematik"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIch wei\u00df bald nicht mehr, was ich noch alles machen soll.\u201c Frustriert und etwas hoffnungslos studiert sie den Inhalt ihres Trinkbechers.<br \/>\nWie jeden Sonntag treffen sich die beiden Schwestern, um den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Normalerweise genie\u00dfen sie diese gemeinsame Zeit und unterhalten sich sehr ausgiebig \u00fcber dies und das und das gesamte Universum. Nur dieses Mal scheint die Venus, die zu Anfang des Treffens ungew\u00f6hnlich gut gelaunt war, zunehmend abwesender und abweisender zu sein. Immer wieder kontrolliert ihre j\u00fcngere Schwester die aktuelle Zeit und mustert ihre Umgebung, wischt wie zuf\u00e4llig den Staubfilm ab, der sich sofort wieder neu bildet.<\/p>\n<p>Die Erde denkt sich nicht viel dabei und ignoriert das merkw\u00fcrdige Verhalten, schiebt es auf die Hormone die durch ihren Freund Merkur immer wieder durcheinander gebracht werden. \u201eNun hab ich schon so viel versucht, um diese Parasiten loszuwerden\u201c, setzt sie wieder an. \u201eUnd doch scheinen sie sich eher zu vermehren, als zu verschwinden.\u201c Genervt verdreht die strahlende Kugel ihre Augen und entgegnet mit geheuchelter Aufmerksamkeit: \u201eHast du das Thema nicht langsam satt? Immer wieder sprechen wir dar\u00fcber. Anscheinend gibt es keine L\u00f6sung f\u00fcr dein Problem!\u201c Leicht erbost sieht sie das erste Mal an diesem Abend von ihrem Getr\u00e4nk auf und entgegnet bissig, dass es bisher noch immer f\u00fcr jedes Problem eine L\u00f6sung gab, man nur manchmal etwas l\u00e4nger dar\u00fcber nachdenken m\u00fcsse. Ihr Blick schweift dabei an ihrer heute Abend au\u00dfergew\u00f6hnlich strahlenden Schwester vorbei und trifft auf den Mond. Er scheint ihr schon wieder gefolgt zu sein. Unsicher, ob sie sich von seiner Umschw\u00e4rmerei geschmeichelt oder bel\u00e4stigt f\u00fchlen soll, macht sie die J\u00fcngere auf ihn aufmerksam. Diese blickt hinter sich und muss nun doch schmunzeln. Auch er wurde beinahe jedes Mal Thema, wenn sie sich trafen, doch versteht und toleriert sie dies, da er der bisher Einzige war, der ernsthaftes Interesse an der Erde bekundete. Er h\u00e4lt sich immer auf Abstand und beeinflusst sie dennoch.<\/p>\n<p>Verlegen richtet die Erde ihren Blick wieder auf den Becher, als w\u00fcrde sie darin die Antworten lesen k\u00f6nnen, nach denen sie schon so lange sucht. Da wittert die nun wieder aufgeregte Venus ihre Chance und ergreift nun selbst das Wort. Sie erz\u00e4hlt wie so oft v\u00f6llig verliebt von ihrem Merkur. Sie habe eine Sternschnuppe von ihm geschenkt bekommen. Die erfahrenere Erde verstand noch nie, was ihre attraktive Schwester an ihm findet, zumal er auch sehr viel kleiner als sie ist. In ihren Augen ist er nichts weiter als ein Macho, der es nur zum Erfolg gebracht hat, indem er sich bei der Chefin Sonne eingeschleimt hat. So nahe wie er, kommt der Quotenfrau sonst keiner, die zugegebenerma\u00dfen schon sehr hei\u00df ist, aber sonst nicht viel kann, au\u00dfer einflussreich zu sein. Die Unterstellung mit der Aff\u00e4re verkneift sie sich. \u201eWenn man vom Teufel spricht!\u201c, bemerkt sie knirschend, als Merkur direkt auf die beiden zusteuert, seinen Kumpel Mars im Schlepptau, der von allen MilkyWay genannt wird. Woher der Spitzname kommt, kann sie sich nicht erkl\u00e4ren, aber vielleicht hat es mit der Schl\u00e4gertruppe zu tun, bei der er sich immer wieder aufh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Da ihre Schwester nun nur noch Augen f\u00fcr ihren Freund hat, lehnt sie sich etwas eifers\u00fcchtig und schmollend zur\u00fcck und h\u00e4lt das Gespr\u00e4ch f\u00fcr beendet. Als kurz darauf auch noch unerwartet der Gasriese Jupiter aufkreuzt, scheint es spannend zu werden. Mars, der sogleich anf\u00e4ngt rot aufzuleuchten und Jupiter k\u00f6nnen sich seit einigen Jahrhunderten nicht leiden. Was vorgefallen ist wei\u00df keiner so recht, jedoch steht nun ein ganzer Asteroideng\u00fcrtel zwischen ihnen. Jupiter ist der einflussreichste und zugleich auch Reichste unter den Planeten. Viele stehen in seiner Abh\u00e4ngigkeit, indirekt auch sie selbst. Er h\u00e4lt sich eigens f\u00fcr den Gr\u00f6\u00dften, schm\u00fcckt sich mit Goldkettchen und br\u00fcstet sich mit gespielt italienischem Akzent. Den Spitznamen K\u00f6nigsstern hat er sich selbst verpasst, wird jedoch stets gehorsam von seinen dreiundsechzig Groupies so angesprochen.<\/p>\n<p>Wo Jupiter ist, kann auch sein ebenso einflussreicher bester Freund Saturn nicht weit sein, der \u00fcberschw\u00e4nglich zu Venus st\u00fcrmt und sie herzlich begr\u00fc\u00dft. Der Frauenheld hat es mit der Monogamie noch nie so ernst genommen und tr\u00e4gt jederzeit offen seine vielen Ringe vor sich her. Das bringt die Erde auf die Idee, die beiden um Hilfe in eigener Angelegenheit zu bitten. Obwohl sie wei\u00df, dass sie nicht sehr beliebt bei den beiden Riesen ist, tr\u00e4gt sie ihr Anliegen vor. Sie erz\u00e4hlt unverfroren von ihren Parasiten, die sie schon seit Jahrtausenden nicht los bekommt und schildert detailliert, wie sie sich selbst grundlos so sehr aufregen kann, dass ihr Innerstes rotgl\u00fchend heraussprudelt, ihr Wasserhaushalt anf\u00e4ngt \u00fcberzukochen und sich in Form von Flutwellen ausbreitet, oder sie anf\u00e4ngt zu beben und sich damit ihre Oberfl\u00e4che selbst aufrei\u00dft, einzig damit ihr Leiden mit den Parasiten endlich ein Ende hat, intervenieren die beiden nun doch etwas schockierten und leicht angewiderten Zuh\u00f6rer. Sie wollen wissen, was f\u00fcr sie dabei raus springt, wenn sie ihre Hilfe anbieten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sie nach einer passenden Antwort sucht, beobachtet sie skeptisch, wie sich ihre Schwester angeregt mit Uranus unterh\u00e4lt, der immer so blassgr\u00fcn um die Nase ist und sich sonst eher sch\u00fcchtern zur\u00fcck zieht, seit er in der Schulzeit wegen seines Namens gemobbt wurde.<br \/>\n\u201eWenn ich frei von Parasiten w\u00e4re, w\u00fcrdet ihr alle davon profitieren.\u201c, wendet sie sich den beiden zu. \u201eErstens w\u00e4re die Gefahr gebannt, dass sie auf euch \u00fcberspringen k\u00f6nnten und bei euch genauso viel Unheil anrichten wie bei mir\u2026\u201c Die beiden bekommen gro\u00dfe angsterf\u00fcllte Augen. \u201e\u2026und zweitens w\u00fcrde die Fotografiererei im Weltall endlich ein Ende haben und ihr k\u00f6nnt euch endlich wieder ungeniert von eurer besten Seite zeigen, ohne euch beobachtet zu f\u00fchlen.\u201c Stolz l\u00e4chelt sie, ob ihrer tollen Argumente. Nach einem beratenden Blickaustausch sind sich die beiden einig, ihr mehrere helfende Vorschl\u00e4ge zu unterbreiten. Sie solle sich der Sonne n\u00e4hern, die mit ihrem Einfluss die Parasiten wegbrennen k\u00f6nnte. Dies hatte die Erde jedoch schon mehrfach versucht. Dabei hat sie sich einen ordentlichen Sonnenbrand zugezogen und gestorben sind dabei nur wenige durch Waldbr\u00e4nde, D\u00fcrre und Hitzewelle. Daf\u00fcr h\u00e4tte sich der Schmerz nicht gelohnt.<\/p>\n<p>Ihr Blick driftet immer wieder zu dem ungew\u00f6hnlichen Treiben ab. Verwundert stellt sie fest, dass nun auch der exzentrische Neptun unter den G\u00e4sten kreist, auf den die Erde schon immer ein Auge geworfen hatte, weil er so sch\u00f6n blau und viermal so gro\u00df wie sie ist. Zudem h\u00e4lt er als Einziger konstanten Kontakt zum kleinen Pluto, der sich ausgeschlossen f\u00fchlt, weil er nicht mehr zu den Planeten geh\u00f6ren darf. Leider wohnt Neptun zu weit weg und hat schon eine eigene Familie mit dreizehn Kindern, die er zum Gl\u00fcck aller nicht immer mit sich schleppt.<\/p>\n<p>Ihre Tagtr\u00e4umerei wird durch einen weiteren Vorschlag der beiden Gasriesen unterbrochen. \u201eWir k\u00f6nnten dir so nahe kommen, dass sie einfach alle vergasen und somit ersticken?!\u201c Augenrollend wendet sie sich nun doch lieber ab, den Blick weiterhin auf das merkw\u00fcrdige Get\u00fcmmel gerichtet. \u201eDanke Jungs, das hab ich schon vor ein paar Jahren durch mit so einer bl\u00f6den Geschichte, die mich seither verfolgt.\u201c Sie h\u00e4tte es eigentlich wissen m\u00fcssen, dass aus den beiden Hohlk\u00f6rpern nur unbrauchbare Vorschl\u00e4ge kommen. Gefrustet und etwas bang geht sie kleinlaut auf ihre Schwester zu: \u201eSag mal kann es sein, dass du heute Geburtstag hast und ich es einfach vergessen hab?\u201c \u201eMacht doch nichts, du warst irgendwie schon immer mehr mit dir selbst besch\u00e4ftigt. Vielleicht denkst du ja n\u00e4chstes Mal dran, wenn es deine Parasiten geschafft haben, sich selbst auszul\u00f6schen.\u201c, l\u00e4chelt die Venus milde mit einem Hauch von Entt\u00e4uschung im Gesicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch wei\u00df bald nicht mehr, was ich noch alles machen soll.\u201c Frustriert und etwas hoffnungslos studiert sie den Inhalt ihres Trinkbechers. Wie jeden Sonntag treffen sich die beiden Schwestern, um den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen. 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