{"id":4743,"date":"2011-09-02T05:30:51","date_gmt":"2011-09-02T03:30:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/?p=4743"},"modified":"2025-06-24T07:23:31","modified_gmt":"2025-06-24T05:23:31","slug":"aus-alt-mach-neu","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/2011\/09\/02\/aus-alt-mach-neu\/","title":{"rendered":"Aus alt mach neu"},"content":{"rendered":"<p>Sie h\u00e4lt eine Pinzette in der rechten Hand und starrt sich so nah im Spiegel an, bis alles um die schwarzen Stoppeln der Augenbrauen in einem vernebelten Schleier verschwimmt. Als er pl\u00f6tzlich neben ihr auftaucht, zupft sie sich vor Schreck in die Haut des Lides, sodass ihr die Tr\u00e4nen ins Auge schie\u00dfen.<br \/>\n&#8211; Wann bist du heute verabredet?<br \/>\n&#8211; Man! Schleich dich nicht immer so an!<br \/>\n&#8211; Entschuldige.<br \/>\n&#8211; Hatte ich dir schon gesagt. Um 22 Uhr im Club Central.<br \/>\n&#8211; Wer ist alles dabei?<br \/>\n&#8211; Interessiert dich das wirklich? Nur die neue Kollegin und ich.<br \/>\n&#8211; Dann w\u00fcnsche ich euch viel Spa\u00df.<br \/>\nSchon war er wieder gewohnt desinteressiert aus dem T\u00fcrrahmen verschwunden. Sie reckt den Kopf, um ihm skeptisch hinterher zu sehen, wie er langsam in Jogginghose und altem T-Shirt zur Couch trottet, die Tageszeitung in der einen, eine Flasche Bier in der anderen Hand.<br \/>\n&#8211; Danke. Mal sehen. Sie ist nett. Und was wirst du machen?<br \/>\n&#8211; Heute l\u00e4uft Fu\u00dfball.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich, was auch sonst! Ihr Blick f\u00e4llt auf eine der Leinw\u00e4nde im Flur, auf der sie schmeichelhaft in warmen Erdt\u00f6nen abgebildet ist. Er hatte sie vor zwanzig Jahren sehr oft gemalt, konnte sich damals nicht an ihr satt sehen. Das war die Zeit, als er ihr noch liebevolle Kosenamen gab, sie f\u00fchlte sich begehrt und geliebt, glaubte dieses Gef\u00fchl w\u00fcrde ewig w\u00e4hren. Nun vergleicht sie es mit ihrem Spiegelbild und kramt z\u00f6gerlich in ihrem Schminkk\u00f6fferchen, das sie bei jedem der seltenen Eins\u00e4tze erst mal von einer feinen Staubschicht befreien muss.<br \/>\nDie Vorfreude auf den Abend ist gro\u00df, so selten bricht sie aus dem Alltag aus, erlebt etwas Anderes, Neues. Seit vier Monaten arbeitet sie nun mit ihrer neuen Kollegin Lydia in einem B\u00fcro, heute unternehmen sie zum ersten Mal auch privat etwas miteinander. Um mit der zehn Jahre J\u00fcngeren ann\u00e4hernd mithalten zu k\u00f6nnen, schl\u00fcpft sie in ihr sch\u00f6nstes Outfit, in das sie erst seit kurzem wieder hinein passt, ohne den Bauch einziehen zu m\u00fcssen. Sie legt den teuersten Duft auf und den edelsten Schmuck an, den sie besitzt.<br \/>\nAls sie sich eine Stunde sp\u00e4ter mit klackernden Abs\u00e4tzen und einem fl\u00fcchtigen Kuss von ihrem Mann verabschiedet, genie\u00dft sie insgeheim das kurze Aufleuchten ob ihres Anblickes, seiner in letzter Zeit so m\u00fcden Augen und glaubt seinen Blick auch noch zu sp\u00fcren, als sie die Wohnungst\u00fcr hinter sich schlie\u00dft und er sich ins Badezimmer begibt.<\/p>\n<p>An der Bar teilen sie sich Selbstbewusstsein und gute Laune aus einer Flasche, gew\u00f6hnen sich an die laute Musik, tauen langsam auf und fangen nach einigen Momenten des Unbehagens an, sich zu am\u00fcsieren. Dass Gespr\u00e4che nicht m\u00f6glich sind und sie den Altersdurchschnitt mit ein paar wenigen Ausnahmen beachtlich senken, st\u00f6rt sie ab dem ersten Schritt auf die Tanzfl\u00e4che nicht mehr. Ausgelassen tanzen sie, als h\u00e4tten sie nie etwas anderes gemacht, sie haben Spa\u00df. Irgendwann fordert Lydia eine Pause ein, um auf den Barhockern mit k\u00fchlenden Getr\u00e4nken wieder etwas zur Ruhe zu kommen. Lydia sieht sich aufmerksam in dem gro\u00dfen Raum um und macht ihre Kollegin kurz darauf auf einen gepflegten, sehr attraktiven Mann aufmerksam, der auf der anderen Seite der Bar sitzt und die beiden wohl schon seit einiger Zeit beobachten w\u00fcrde. Neugierig folgt sie dem Blick der J\u00fcngeren und \u00e4rgert sich ein wenig, dass sie heute aus Gr\u00fcnden der Eitelkeit ihre Brille nicht tr\u00e4gt.<br \/>\nDann sieht sie ihn ganz deutlich. Wie er sie ungewohnt und doch vertraut charmant anl\u00e4chelt, dabei mit seinem Whiskyglas spielt, es in einem Zug leert und n\u00fcchtern aufsteht, um auf sie zuzusteuern. Was das Flirten angeht, ist sie l\u00e4ngst aus der \u00dcbung, blickt leicht versch\u00e4mt zur Seite, will dennoch das Spiel mitspielen, entzieht sich jedoch dem direkten Kontakt, indem sie sich erneut auf die Tanzfl\u00e4che begibt und ihre Kollegin wortlos an der Bar zur\u00fcck l\u00e4sst, die die Situation und auch die weiteren Szenen neugierig und unwissend verfolgt.<br \/>\nW\u00e4hrend sie immer wieder seine bewundernden Blicke sucht, bewegt er sich langsam auf sie zu. Sie f\u00fchlt sich wie zu Teenagerzeiten, er tanzt sie an, w\u00e4hrend sie ihm den R\u00fccken zudreht und versucht, sich extra aufreizend zu bewegen. Obwohl ihr warm ist, dehnt sich eine G\u00e4nsehaut auf ihrem blassen K\u00f6rper aus, als er sich ihrem Nacken n\u00e4hert und ihren Duft einatmet. Er traut sich nicht sie anzufassen, als w\u00fcrde er sie mit einer einzigen Ber\u00fchrung kaputt machen und mit ihr auch den Moment zerst\u00f6ren. Sie brauchen beide keine Worte, denn ihre K\u00f6rper sprechen ganze B\u00e4nde der selben Sprache. Lange f\u00fchlte sie sich nicht mehr so begehrt, so gewollt. Obwohl er bei all seinen Bewegungen auf ein paar Zentimeter Distanz achtet, sp\u00fcrt sie ihn ganz nah, so vertraut, bis er nach einer halben Ewigkeit des Prickelns an ihr vorbei in Richtung Ausgang geht und sie von dort aus bedeutsam ansieht.<br \/>\nEin unsicherer Blick zu ihrer Kollegin zeigt ihr, dass diese sich mit einem Kerl Marke Surflehrer am\u00fcsiert und daher keinen Grund f\u00fcr Z\u00f6gerungen darstellt. Sie zupft ihren Rock zurecht und geht selbstbewusst l\u00e4chelnd auf die ungewohnt anmutende M\u00e4nnlichkeit zu. F\u00fchlte sie sich soeben noch mutig, macht er sie im n\u00e4chsten Moment schwach, indem er sie unvermittelt zu sich zieht, eine Hand an der Taille, die andere vorsichtig am Nacken, um sie erst behutsam und dann immer fordernder zu k\u00fcssen. W\u00fcrde er sie nicht so fest im Griff haben, w\u00fcrden ihre Knie nachgeben.<\/p>\n<p>Begierde und Leidenschaft f\u00fcllen das Taxi aus und beschlagen die Fenster, wie seine beharrlich suchenden H\u00e4nde ihren Verstand. Als er sie gegen die kalte Wand im Flur direkt neben den Bilderrahmen dr\u00fcckt, liegt ihre Kleidung l\u00e4ngst auf dem Boden verteilt. Seine St\u00e4rke macht sie schwach. Je grober er sie anpackt, desto mehr Verlangen sp\u00fcrt sie und gibt sich ihm willig hin, \u00fcberl\u00e4sst ihm die Macht \u00fcber ihren flehenden K\u00f6rper. Im Bett sucht sie nach Halt, krallt sich in Laken und Matratze, windet sich, bittet st\u00f6hnend um Erl\u00f6sung, gr\u00e4bt ihre N\u00e4gel schlie\u00dflich in seine Haut bis er sich vor ihr aufb\u00e4umt, endlich ihre Beine nach oben rei\u00dft und so hart und tief in sie vorst\u00f6\u00dft, wie sie noch nie genommen wurde. Nach einer Explosion geballter Lust und pulsierender Empfindungen, sinken sie beide geschw\u00e4cht und befriedigt auf die Matratzen.<\/p>\n<p>Vorsichtig hebt sie ihren brummenden Kopf an, mustert fl\u00fcchtig die Spuren der verlaufenen Wimperntusche auf ihrem Unterarm und blinzelt mit schweren Lidern der Sonne entgegen, die ihre W\u00e4rme hemmungslos durch die Jalousien direkt auf ihren nackten K\u00f6rper legt, der sich quer \u00fcber das ganze Bett erstreckt. Er sitzt konzentriert auf einem Stuhl und blickt immer wieder \u00fcber den Rand eines Zeichenblockes, w\u00e4hrend sich seine rechte Hand eifrig auf dem Papier bewegt. Seine vertraute Silhouette hebt sich dunkel vor dem Fenster ab.<br \/>\n&#8211; Was machst du da?<br \/>\n&#8211; Guten Morgen Liebling. Nicht bewegen! Du bist heute so sch\u00f6n wie nie zuvor, das muss ich unbedingt festhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie h\u00e4lt eine Pinzette in der rechten Hand und starrt sich so nah im Spiegel an, bis alles um die schwarzen Stoppeln der Augenbrauen in einem vernebelten Schleier verschwimmt. Als er pl\u00f6tzlich neben ihr auftaucht, zupft sie sich vor Schreck in die Haut des Lides, sodass ihr die Tr\u00e4nen ins Auge schie\u00dfen. &#8211; Wann bist&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[84],"tags":[1912,1914,1915,1913,1096,385],"class_list":["post-4743","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-zeitgeschehen","tag-begierde","tag-bilder","tag-club","tag-leidenschaft","tag-liebe","tag-sex"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4743","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4743"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4743\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5584,"href":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4743\/revisions\/5584"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4743"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4743"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4743"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}