{"id":5185,"date":"2012-04-22T00:19:17","date_gmt":"2012-04-21T22:19:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/?p=5185"},"modified":"2025-06-24T07:23:31","modified_gmt":"2025-06-24T05:23:31","slug":"lokalkolorit-dialekt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/2012\/04\/22\/lokalkolorit-dialekt\/","title":{"rendered":"Lokalkolorit Dialekt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Z\u2019erscht wollt i de Versuch schtarte, en ganze Tekscht auf Dialekt z\u2019schreiba, doch dees wollt i dann weder deane dias leaset, no mir sell adua, weil\u2019s f\u00fcr mi mindeschtens so aaschtrengend isch, wie f\u00fca eich.<\/strong><\/p>\n<p>Mein Interesse galt unter anderem schon immer den Sprachen allgemein, sowie Dialekten und sprachlichen, wie auch regionalen Unterschieden, sodass es hin und wieder vorkommen kann, dass ich im Gespr\u00e4ch direkt nachfrage, woher jemand kommt. Sobald mir die Gegenfrage gestellt wird und ich stolz erz\u00e4hle, dass ich urspr\u00fcnglich aus dem Allg\u00e4u bin, werde ich oftmals mit gro\u00dfen Augen angesehen. Zum einen folgt dann meist die Frage, warum ich weggezogen bin, aus dieser achsowundersch\u00f6nen Region, in der man doch prima Urlaub machen kann; zum anderen der ungl\u00e4ubige Kommentar, dass man das gar nicht raush\u00f6ren w\u00fcrde. Als w\u00e4re der Dialekt eine Krankheit, die man diagnostizieren m\u00fcsste, um f\u00fcr jeden kenntlich zu machen, in welchem Boden die eigenen Wurzeln stecken.<br \/>\nDa stellen sich mir zwei Fragen: Warum sind nicht wenige Menschen so stolz auf ihren Dialekt, dass sie ihn mit W\u00fcrde vor sich her tragen \u2013 und andersrum, warum legen so viele Menschen ihren Dialekt ab und sprechen \u00f6ffentlich astreines Hochdeutsch?<\/p>\n<p>Ich selbst sprach noch nie in dem Ausma\u00df Dialekt, wie es meine Familie und einige der langj\u00e4hrigen Freunde tun &#8211; und doch falle ich in meine Art des Dialektes zur\u00fcck, sobald die heimische Vorwahl auf dem Display aufleuchtet, oder ich dort zu Besuch bin. F\u00fcr diejenigen, die mich nur hochdeutsch kennen, wirkt das immer erst mal sehr befremdlich und irgendwie am\u00fcsant, weil sie kaum ein Wort verstehen; f\u00fcr diejenigen, die mich mit Dialekt kennen, wirke ich wie \u201enichtmehrdazugeh\u00f6rig\u201c. So wurde ich von einem alten Schulfreund beim Klassentreffen gefragt: \u201eKaasch it gscheit schw\u00e4tze, bisch jetz was bessres und woisch nemme woher de kusch, oder wia?\u201c<br \/>\nDoch doch, ich kann sprechen, ich bin nichts Besseres und ich wei\u00df auch sehr wohl, woher ich komme. Aber muss alle Welt wissen, woher ich komme? Zudem gibt es ja auch einen Grund, warum man sich auf eine gemeinsame Amtssprache pro Land festgelegt hat \u2013 damit man einander versteht.<\/p>\n<p>Als ich vor einigen Jahren zu einem Vorstellungsgespr\u00e4ch in Goslar eingeladen wurde, erz\u00e4hlte mir die potentielle Chefin, sie sei doch ein wenig entt\u00e4uscht gewesen, da sie sich unter einem allg\u00e4uer M\u00e4dchen eine kaumverst\u00e4ndliche Maid mit zwei Z\u00f6pfen und Dirndl vorgestellt hatte und ich dieser Vorstellung so gar nicht entsprach. Es tut mir ja sehr leid, dass man mich versteht \u2013 insbesondere bei einem Vorstellungsgespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Diese und andere Klischees gibt es zu s\u00e4mtlichen Regionen, Bundesl\u00e4ndern und Dialekten. Ich ertappe mich selbst manchmal dabei, wie ich jemanden anhimmle, wenn die Person einen f\u00fcr meine Ohren sehr angenehmen Dialekt spricht. Andersrum erschrak ich auch schon mal, als das, was aus dem Mund kam, so unerwartet gar nicht zum \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild passte. \u00c4u\u00dferes Erscheinungsbild? Was ist das denn nun f\u00fcr eine bescheuerte Aussage? Aber tats\u00e4chlich habe ich pers\u00f6nlich h\u00e4ufig eine Vorstellung von einer Stimme, wenn ich eine Person sehe; genauso wie ich eine Vorstellung einer Person habe, wenn ich nur die Stimme h\u00f6re. Ich wurde schon so oft entt\u00e4uscht, dass ich eigentlich daraus lernen sollte.<\/p>\n<p>Vor Kurzem h\u00f6rte ich den sehr niedlichen Dialekt einer genauso niedlichen \u00e4lteren Frau und sprach sie direkt darauf an. Nach etwas Smalltalk zum Thema, wollte sie dann gerne den Dialekt h\u00f6ren, mit dem ich gro\u00df geworden bin. Ich lieferte ein paar Musters\u00e4tze (\u201eHond\u2019r au Henna dahui?\u201c, \u201eHeer auf z`gigampfa!\u201c, oder \u201eA alt`s Weib hot Breetle bache, untre oiner Oicha; a Breetle isch an\u2019d Kachel bappet, jetzt ka se nemme soicha!\u201c -&gt; was geschrieben nat\u00fcrlich viel einfacher zu entr\u00e4tseln ist, als wenn man es nur h\u00f6rt), die ich in dieser Situation immer bringe, weil ich wei\u00df, dass ich damit eh nicht verstanden werde und die Menschen wenigstens zum Lachen bringen kann, indem ich mich selbst ein wenig auf die Schippe nehme. Diese Frau lachte auch \u2013 jedoch eher aufgrund der Reaktion meiner Kollegen, die mit weit aufgerissenen Augen wie versteinert um mich herum standen und auf vier verschiedenen Dialekten meinten, ich solle blo\u00df niiiiiiie wieder so sprechen!<br \/>\nIch garantiere f\u00fcr nichts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Z\u2019erscht wollt i de Versuch schtarte, en ganze Tekscht auf Dialekt z\u2019schreiba, doch dees wollt i dann weder deane dias leaset, no mir sell adua, weil\u2019s f\u00fcr mi mindeschtens so aaschtrengend isch, wie f\u00fca eich. 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