{"id":5215,"date":"2012-05-09T10:21:59","date_gmt":"2012-05-09T08:21:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/?p=5215"},"modified":"2012-05-09T10:21:59","modified_gmt":"2012-05-09T08:21:59","slug":"hilde-und-gerda-unterwegs","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.morbidvision.de\/blog\/2012\/05\/09\/hilde-und-gerda-unterwegs\/","title":{"rendered":"Hilde und Gerda unterwegs&#8230;"},"content":{"rendered":"<h1>Hei\u00dfes Pflaster<\/h1>\n<p>\u201eArisch viel iss anfier sich besser als se wenisch, wenn se verstehe, was ich aweil doodemidd saahn will!\u201c, erwiderte Hilde von unn Serigg dem versierten Journalisten Sch\u00f6n vom Tagblatt Bl\u00d6D gegen\u00fcber, als er sie gezielt auf dem B\u00fcrgersteig ansprach.<\/p>\n<p>Ihre Freundin Gerda stand neben ihr, als h\u00e4tte sie den besten Freund \u201ede Schwenker Schorch\u201c verloren. Eigentlich gab es an jenem Tag einen Grund zur Freude. Beide Frauen wollten offiziell den<strong> Welttag des Schwenkbratens<\/strong> ausrufen.<\/p>\n<p>Leider kam diese \u00f6ffentliche Provokation irgendwie bei den Verantwortlichen in den Schwenker-Gremien nicht an. Gerdas verschmierte Wimperntusche verdeckte tiefe Augenringe, die auf ernsthafte Probleme hindeuteten. Dabei hatte sie nur zu lange auf den PC gestarrt, als sie f\u00fcr den neuen Welttag recherchierte und der diesj\u00e4hrge Pollenflug gab ihr den Rest. Es war Hilde, die den genialen Einfall hatte und f\u00fcr den Welttag des Schwenkbratens sogar ein Buch verfasste. Sie lie\u00df edle Flyer in Schwenkerform drucken und verteilte diese anonym. Sie setzte sogar auf chemisch erzeugte Aromastoffe, so dass das Papier nach frisch Gegrilltem roch. Vielleicht lag es an dem Hauch zu viel Knoblauch, den einige Interessierte abschreckte.<\/p>\n<p>\u201eK\u00f6nne se uns bitte in Ruhe uffem Troittoire laafe lasse, mir hanns eilisch!\u201c Und ehe der Journalist seine delikate Grillgut-Frage stellen konnte, rammte ihm Gerda den schweren Sonnenschirm in die Rippen, den sie unterm Arm trug.<\/p>\n<p>\u201eIch h\u00e4tte gern mal einen Blick in das B\u00fcchlein von Frau Hilde von unn Serigg geworfen, bevor sie nun beide das Weite suchen!\u201c, \u00e4u\u00dferte Sch\u00f6n mit einem unbeeindruckten Tonfall, strahlte dabei wie ein St\u00fcckchen verkohlte Rostwurst vom Gasgrill.<\/p>\n<p>\u201eSchdrunzdumm!\u201c, dachte Gerda, die lieber schon am Auto gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>\u201eDas Biechelche iwwers Schwenke zum Welttach des Schwenkbrootens kann ich Ihne schenke. Sie sehn so us, als k\u00f6nnte se\u00a0iwwer de Schwenkbrootefettischismus noch was lerne!\u201c<\/p>\n<p>Mit einem netten \u201cMercie\u201c auf den Lippen wechselte Sch\u00f6n blitzschnell die Stra\u00dfenseite, bevor er noch eine viel zu dicke Lippe riskierte.<\/p>\n<p>Drei Stunden sp\u00e4ter sah man Hilde und Gerda in der Pfalz. Sie l\u00f6sten heimlich bei einem Discounter Abziehbildchen von Grillgutverpackungen, die sich in der K\u00fchltheke stapelten.<\/p>\n<p>\u201cMir sinn arisch gudd!\u201c, fl\u00fcsterte Gerda, als sie Hilde mit ihrem \u00fcberbreiten R\u00fccken abdeckte, so dass ihre Freundin die Aktion: <em>Abziehbildcheklau<\/em> in Ruhe aus\u00fcben konnte. Es war mittlerweile nicht der einzige Laden in der Pfalz, den die beiden Freundinnen bislang von einer bestimmten Discounterkette aufsuchten.<\/p>\n<div>Ein schlichtes \u201eHm!\u201c gab Hilde leise zum Besten.<\/div>\n<p>\u201eHoffentlich krien mir nidd noch \u00e4hns uff de Deckel, weil mir die Punkte in de Palz\u2026\u201c, st\u00f6hnte Gerda nun nachdenklich gestimmt. Hilde unterbrach sie mit einem tierischen Hustenanfall. Blitzschnell griff sie nach einem Taschentuch und sorgte f\u00fcr das Verschwinden der Abziehbildchen in ihrer Handtasche.<\/p>\n<p>Mit zwei kleinen Sprudelflaschen verlie\u00dfen sie die\u00a0Discounterfiliale und freuten sich \u00fcber ihre kriminellen F\u00e4higkeiten am Welttag des Schwenkbratens.<\/p>\n<p>\u201eJesses, daaaaaaaaas do hadd awwer aweil bei mir arisch fette Hitzewallunge ussgel\u00f6st!\u201c, sagte Gerda als sie vor dem Auto stand und nach dem Schl\u00fcssel kramte.<\/p>\n<p>\u201eIch dreh\u2018 gleich am R\u00e4dsche, wenn de dabba nidd uffschperst.\u201c, antworte Hilde ziemlich genervt.<\/p>\n<p>\u201eKrimmelkuche noch \u00e4mol! Jetz hann mir zwei de Salaad. Die Zentralverriechelung geht nimmeh unn sowas passiert uns in de Palz!\u201c, erwiderte Gerda energisch und dr\u00fcckte dabei wie wild auf dem Autoschl\u00fcssel herum.<\/p>\n<p>\u201eGerda! Ich hann gleich gewusst, dass das do \u00e4 Schnapsidee iss, wenn wir Punkte in de Palz klaue gehn. Unn was mache mir aweil?\u201c<\/p>\n<div>\u201eDenke!\u201c<\/div>\n<p>\u201eDu und denke? A so \u00e4 Gliggsfall! Wo iss denn Dein kleener Freund?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie mein kleener Freund? Ich kann Dir beim beschte Wille nidd\u2026\u201c<\/p>\n<div>\u201eMensch Gerda! Dein Handy! Ei wo haschte daas Ding?\u201c<\/div>\n<div>\u201eDehemm!\u201c antworte Gerda kleinlaut.<\/div>\n<p>\u201eIch werd veriggt! Bei meinem iss die Kart leer und Deins iss Dehemm\u2026\u201c<\/p>\n<div>\u201eBauz mich nidd aahn. Unn was mache mir jetz?\u201c<\/div>\n<p>\u201e\u00c4 Telefonzell suche!\u201c, antworte Hilde mit einem ganz fiesen Augenaufschlag.<\/p>\n<div>\u201eWo gebbts dann heit se Tach noch Telefonzelle?\u201c<\/div>\n<p>\u201cFrieher war alles annaschd, aweil bin \u00e4bbeld\u00e4nzisch, ob uns jemand hilft.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn wir wieder Hemm wolle, dann m\u00fcsse mir wohl oder iwwel \u00e4 P\u00e4lzer uffem Parkplatz anschw\u00e4tze!\u201c<\/p>\n<p>\u201eSaa nur. Jesses wie doof! Wer ich nur midd meinem Hinnere dehemm geblieb.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu Jammerlabbe! Wer wollt denn in die Palz? Du doch! H\u00e4tt\u2018 ich mir daas nur nidd aangeduhn. Ich musst joo midd de erschte Vorsitzende des Schwenkbrooteclubs in die Palz fahre, um Abziehbildcha uffem Grillgut se klaue\u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eJoo ist gudd. Saa mol! Du sinn mir zwei jetz eigentlich Assilande?<\/p>\n<div>\u201cHilde!\u201d<\/div>\n<div>.<\/div>\n<div>\u00a9Corina Wagner, April 2012<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hei\u00dfes Pflaster \u201eArisch viel iss anfier sich besser als se wenisch, wenn se verstehe, was ich aweil doodemidd saahn will!\u201c, erwiderte Hilde von unn Serigg dem versierten Journalisten Sch\u00f6n vom Tagblatt Bl\u00d6D gegen\u00fcber, als er sie gezielt auf dem B\u00fcrgersteig ansprach. 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