Hauptsache modern
In einer Zeit, in der alles möglich ist,
ist es unwichtig, ob etwas gut ist oder schlecht.
“Das deutsche Kettensägenmassaker”, 1990, Deutschland.
In einer Zeit, in der alles möglich ist,
ist es unwichtig, ob etwas gut ist oder schlecht.
“Das deutsche Kettensägenmassaker”, 1990, Deutschland.
Laut UN-Charta soll der Begriff “Krieg” aus den Köpfen der Menschen gelöscht werden. Aus der Sprache der Diplomaten ist der Begriff schon längst verschwunden. Alternativ stehen Begriffe wie “Friedensbedrohung”, “bewaffneter Konflikt”, “Bruch des Friedens” und “Aggression” dem modernen humanitären Weltvölkerrecht als Kommunikationsmittel zur Verfügung.
Welcher Spasmot hat sich das nun wieder einfallen lassen? Glaubt man tatsächlich ein Wort durch einen verbalen Weichspüler jagen zu können, um damit dessen inhaltliche Brutalität zu verschleiern? Dem strunzprallen Unterschichten-TV-gegeisselten Lynchmob traue ich die cerebrale Metamorphose sogar zu: Ein ausgesprochenes mosehaftes Gebot der Supernanny demontiert ja heute schon in Jahren gewachsene Erziehungsmechaniken mit der Geschwindigkeit einer blutigen Sturzgeburt. Die “New World Order” müssen heute nur noch ausgesprochen werden, um Wahrheit zu werden. Herbe Klassiker wie “Kotze” werden ersetzt durch samtige Wortneuschöpfungen wie “Übelkeitsauslösendes Unwohlsein”, “unkontrollierbare Magentätigkeit” oder “manifestierter Brechreiz”. Wer will denn sowas?
Sind wir nun im Jahr ”1984 “angelangt - werden Unwörter getilgt? Revolutionäres Neusprech, angepasst um dem Pöbel die Verbalaggression zu nehmen und in Watte verpackte Alternativbegriffe in einer kniggekonformen Gesellschaft zu etablieren. Schon endet das deftige “Du Riesenarschloch!” in einem vermeintlichen Wutschrei wie “Du Makroanalöffnung!”, “Großer Darmausgang!” oder “Überdimensionierte Kotpforte!”.
Wer ist dafür verantwortlich? Gibt es dafür eigentlich eine Berufsbezeichnung? Wortverdreher wäre vermutlich schon wieder zu brutal eindeutig; passend wären ”Letterkonstrukteur”, Schriftwerkdesigner” oder “Labelmechatroniker”. Meine Vision: Fantastillionen alternativer Warmduscherbegriffe reizüberfluten tsunamiartig die zeitgeistkranke Gesellschaft, um paradoxerweise die Wortfreiheit auf das Minimum eines Riesenscheisshaufen aufzublähen, mit der keine eindeutige Kommunikation mehr möglich ist. Enschuldigung, ich meinte natürlich “Massive Stuhlansammlung” statt Riesenscheisshaufen.
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Nachtrag.

Nach dauerhaftem Einwirken subversiver Elemente habe ich mir Zeitgeist – the Movie und dessen Sequel angetan; insgesamt gut vier Stunden Verschwörungstheorien.
Was erfahre ich im ersten Teil? Jesus ist eigentlich Horus ist eigentlich die Sonne und deswegen eigentlich nicht mal eine fleischgewordene Metapher. Schön. Als praktizierender Agnostiker ist mir so ziemlich wurscht, dass Jesus in seinem früheren Leben eine Sonnenblume war. Ich selbst war ja ein Blattspinat. Und das vor der Zeit der falschen Kommasetzung bezüglich des Eisengehaltes.
Dann geht es ans Eingemachte. 9/11 war ein Fake. Gebastelt von skrupellosen Politikern, die sich damit die Legitimation für Präventivschläge gegen gottlose Staaten erbombt und natürlich die massive Beschneidung der Bürgerrechte ermöglicht haben. Schön. Die Bürger, die den “gläsernen Bürger” fürchten und die sich im gleichen Atemzug im Internet mit allen privaten Daten und Fakten präsentieren müssen. Mentale Exhibitionisten auf Kreuzzug gegen den eigenen Darmverschluss.
Im zweiten Teil wird mir klargemacht, dass Banken Geld produzieren, das nicht da ist, indem sie Zahlen auf wertloses Papier schreiben. Die Finanzmächte haben die Welt in der Hand. Sollen sie doch. Sollen sie den ganzen Dreck besitzen.
Dann wird mir klargemacht, dass der Mensch immer noch gleich ist: Ein Raubtier, voller Gewalt. Ich gehe zum Kühlschrank und mache mir ein Mettbrötchen. Auf dem Rückweg ins Bett erschlage ich den Hamster mit der Fliegenklatsche, auch wenn es eine Weile dauert, und werfe mir einen alten Godzilla-Klassiker in die DVD-Buchse. Das Leben kann so schön sein. Wenn man sich nicht alles miesreden lässt. Denn neben diesen unfassbaren Enthüllungen hat “Zeitgeist” keine Lösungsvorschläge parat, keine Anleitung zum Bombenbau, nichts, keine Alternative, kein Scheck mit 10 Millionen Mücken. Und deswegen kann ich nur sagen: Wenn das die rote Pille sein soll, dann bleibe ich lieber im Blauen.