21. März – Welttag der Poesie
Der Wasserhahn tropfte
cool im Takt der Liebe.
Ein Engländer war in Sicht,
Der Wasserhahn tropfte
cool im Takt der Liebe.
Ein Engländer war in Sicht,
ich kann mal wieder die ganze nacht nicht schlafen. irgendetwas läuft über das dach. hin und her. rauf und runter. dann macht es pause. dann läuft es wieder. wie nackte kinderschritte auf fliesen. eines tages töte ich es. oder es mich. oder ich lege ihm bunte ringelsocken aufs dach. und wenn es sie anzieht, reisse ich es in stücke. und laufe über sein gesicht. rauf und runter. hin und her.
ich liege da, jeder muskel ist heiß und angespannt. langsam schiebt sich ein purpurner vorhang mit lilienmuster wie eine gewitterwolke über meinen verstand. es blitzt auch schon. ich zucke, springe auf, laufe wie ein tier auf allen vieren im dunkeln durch die wohnung. die tür ist offen. warum auch immer. ich bin draussen. es regnet. alles ist schwarz. gleissend weiss ist meine wut. gnade gott, wenn jetzt noch etwas unterwegs ist. die jagdsaison für das nächste jahrtausend ist eröffnet. ich schleiche wie die furcht mit gebleckten zähnen in den wald. hier bin ich nicht zuhause. ich beherrsche nur das territorium. ich bin schwärzer als die dunkelheit. der see verschluckt sich zweimal, als er mir gewahr wird. er wird dafür bitter bezahlen müssen. wir haben eine schriftliche vereinbarung.
ich klettere auf einen baum und warte. die tränen des himmels schleifen meine zernarbte haut. das macht es nicht besser. ich erwische ein eichhörnchen mit der bloßen hand. es sagt mir seinen namen. richard zerbricht in meinen fingern wie trockenes holz. er ist schön, er ist noch warm. ich stecke ihn in meine hose. die seele eines toten eichhörnchens sucht einen ausweg aus meiner unterhose.
der regen verwischt die stimmen des waldes. leise flüstern sie fremde namen, ich rieche ihre angst. ich rieche alles. ich rieche mich selbst. das muss enden. mein grausamer schrei lässt alles abrupt verstummen. ich rufe den marlboro mann. ich rufe zweimal. der regen verdampft aus furcht in klamme nebelfetzen. sie leuchten wie kopulierende tiefseefische. ich inhaliere den gesamten nebelscheiss in einem atemzug. meine lungen füllen sich mit brackwasser, das ich gleich wieder ausspeie. die luft ist nun klar, eisig kalt. ich denke nicht mehr, ich fühle nur noch. spüre die durchdringende kälte, die nässe und wilde kraft. die jagd beginnt. ich muss laufen. die erste beute. zwei lichtkegel durchschneiden die schwärze. ich durchschneide zwei kehlen. ich lecke das blut von meinen fingern. es schmeckt nach eisen. und curry. und wieder nach eisen. ich reisse die reste in stücke. ich mag puzzles. heute nacht mag ich aber nichts mehr zusammensetzen. eigentlich mag ich auch kein curry.
der see zahlt seinen tribut. der wald zahlt seinen tribut. die welt zahlt für ihre gleichgültigkeit.
möge es nie wieder tag werden. gnade euch euer gott. gnade eurer seelen. möge sie nie in meiner unterhose landen.
Katharsis
wenn die glühende Nadel
in die Vene sticht
mit gellendem Knall
die Pforte zum Hades aufbricht
Katharsis
wenn in quälender Ohnmacht
halbverloren zu Boden sinkt
was einst voll Schöpferkraft
jetzt mit dem Tode ringt
Katharsis
wenn die blitzende Klinge
den Myokard zertrennt
gleich der purpurne Strom
den Brustraum verbrennt
Katharsis
wenn Explosionen von Licht
alle Gedanken verscheucht
und in einsamer Umarmung
der bittersüße Odem ausfleucht
Katharsis
wenn müde Zufriedenheit einkehrt
die glücksgeträumte Seele
in den Atman einfährt
War immer sehr naturverbunden.
Hab niemals etwas totgemacht.
Doch hat die Öd´ der Winterstunden
mir eine Frage zugedacht.
Wie wär es warm in einem Felle?
Im Pelz von einem Katzentier?
Die Kält´ verschwünd´ doch auf der Stelle!
die Wärme würd´ mir zum Plaisier!
Von forschem Wissensdurst besessen,
schritt in die Küch´ ich, mit Elan.
War ganz und gar darauf versessen;
nahm´s Messer voller Tatendrang.
So machte ich mich auf die Pirsch -
schlich durch des Nachbars Gartentor.
So stellt der Jäger seinen Hirsch!
Ich stellte mir den Mantel vor.
Ein leises Maunzen ich vernahm,
zu Eis ich gleich erstarrte.
Die Mordlust in den Sinn mir kam.
Gleich hab ich dich – na warte!
Das Katzenvieh im Beet ich fand,
wie´s nach fettem Mahle wankte.
Ein ekelhafter Pissgestank
ich roch, als es dann mit mir zankte.
Flux ward das Tier am Hals gepackt;
die Finger tief in seinem Nacken.
Ich schüttelte den Leib zum Wrack -
man hörte leises Knacken.
Die scharfe Klinge eifrig schnitt,
die Hände voll der Fleischesernte.
Das Fell vom Leib der Katze glitt -
wie´s einst der Kürschner lernte.
Der Blutfluss war indes enorm.
Es färbte sich die Schürze rot.
Das Tier verlor die Tieresform,
sah aus wie rotes Katenbrot.
Nadel, Faden – wurden beste Freunde.
Sie hatten ja noch viel zu tun!
Während ich das Fell umsäumte,
genoss ich zweifelhaften Ruhm.
Noch manche kalte Nacht danach,
trug ich den Schnitter in der Hose.
Die Kadaver wurden als Kompost verbracht
und düngten meine Lieblingsrose.
Heut´ besitz´ ich mehr als vierzig Mäntel,
sie brachten vielen Menschen Leid,
im Radio läuft Georg Friedrich Händel,
und Langeweile macht sich breit.
War immer sehr naturverbunden.
Hab einiges schon totgemacht.
Und wieder hat die Öd´ der Winterstunden
mir eine Frage zugedacht.
Wieso verkauf´ ich nicht die Felle
den Nachbarn nun als Kuscheltier?
Aber ja, so auf geht´s, auf der Stelle!
Die Bosheit ist mir ein Plaisier!
Hier ist es winzig
dreckig und verkommen
Da liegst du nun
offen vor mir
erwartest mehr
als ich dir zu geben bereit bin
sentimentalen Erinnerungsmüll
stopf ich dir
in dein gieriges Maul
-
ersticke daran
Verstiegen
im Berg von Täuschung
Das Hiersein
kein Dasein
Existenzielles Risiko
Du hast dich geirrt
Auch Irre sind menschlich
Und feige
meide weiterhin
Strick und Messer
im Kriminalmuseum
deiner
quälenden Fantasien
Bedrohlich
lauert der Augenblick
Grausam
mahnt Vergangenes
Blassbleich
schillert die Unzukunft
Du nervös
tickende Uhr
an fahler Wand
stets im Wandel
hackst mir mein Leben weg
mit deinem
verfickten Messingräderwerk
Der Tod soll sich am Blut deiner
Freunde und Verwandten satt
trinken, bis ins zehnte Glied!
aus “Der moderne Prometheus”, 1818
von Mary Wollstonecraft Shelley
Fahles Sonnenauge
stirbt dahin in fernem Schweigen
bringt den Nebel übers Land
sehn mich nach dem Frühlingsreigen
Donner aus Gestirnen dröhnt
gläsern klirrt das Firmament
bedrohlich hängt die Lampe dort
leuchtet und leuchtet in einem fort
Raubt mir Schlaf wie Musestunde
Häme lacht in trübem Schein
Im Hof spiegelt sich silbern
die höhnende Fratze
durch laubwüste Moderpfütze
zum Fenster herein
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Nachtrag von admin.