Lamento mori

Wieder einer jener Abende. Ungesunde Chips gehen Symbiose mit reichlich Rotwein ein. Nasskalte Witterung. Vor der Tür – jaulende Katzen. Auch einfach mal wieder Lust haben auf schier alles was den Gaumen erfreut und das Herz erwärmt. Gleichgültig, dass die ganze schöne, teils schwer errungene Kunst der Lebensverfeinerung doch letztendlich zu körpereigenem Fett gedeihen wird. Beim Glas staubtrockenem Bordeaux der eher was zum Braten gewesen wäre als die Seele damit zu spülen, sehn ich mich in die Ferne. Doch weil der Keller sich nicht automatisch seinen Inhalt von selbst nachbestellt, werde ich mich eben mit dem begnügen was die verstrichenen Kommunikationsereignisse mit Freunden übrig ließen. Nach einem zwar kurzen, dafür nervenberstenden Tag mit Endlosgeschnatter menschlicher Primaten, bleibt nur noch die Emigration in eine desaströse Verlorenheit des eigenen Selbst. Lähmende Moll-Sequenzen eines Rachmaninoff verklären die Sinne und befehlen die längst fällige Selbstreflektion. Noch immer ist es nicht gelungen die Zusammenhänge zu ergründen, warum der Abend, je später er fortan gerückt ist eine ganz besondere Qualität besitzt. Totaler Friede von fast magischer Verklärtheit. Schnalzendes Flammenspiel im Kamin; schnurrender Kater in endlos satter Zufriedenheit; die tickende Uhr, mit der ich ein Missverhältnis habe, weil sie mit ihrem hackenden Eifer sukzessive mein Leben wegtickt. So sitz ich denn nun und weiß in einem solchen Moment nichts mit meinem Leben anzufangen als weiter den gläsernen Kelch zu Munde zu führen um weiterhin das herbe Nass mir in den Schlund zu kippen. – Prost!


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Ein Kommentar

  1. Sofern du keine Bischöfin bist und am Steuer eines Wagens eine rote Ampel überfährst, ist der Akt den gläsernen Kelch an die Lippen zu führen, vielleicht das beste was man in diesem Moment mit dem Leben anfangen kann. Und niemals vergessen: Leben heisst, nicht darüber nachzudenken!

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