Denkschmerz

La Ville sans IKEA!

Geh nie wieder zu IKEA. Diese Krake ist einer der Multis die sich über Städte hermachen wie die Heuschrecken, sie mit quadratkilometergroßen Parkplätzen zupflastern, wo sonst 500 Läden aller Art Platz finden würden. Leute werden eingestellt, die Politsau, die den Schlamassel angerichtet hat, zusammen mit Bürgermeister, Baulöwe usw. mit den Standardargumenten Arbeitsplatz und Strukturverbesserung, wird wiedergewählt. Verkehrswege werden geschaffen um das Krebsgeschwür mit dem Blut des Konsumenten zu versorgen. Menschen werden angezogen durch das Angebot an Arbeitsplätzen, bauen Häuser, zeugen neues Leid wie Freiwild in einem warmen Winter. Alle scheinen glücklich bis zum nächsten Börsencrash, oder einer feindlichen Übernahme durch eine viel größere Krake, die an Auslagerung denkt.
Resultat: Heulen und Zähneknirschen. Gluckenkonglomerate werden gegründet um dem angeborenen Beschützerinstinkt Luft zu machen, um in Demos gegen Ungerechtigkeit und für Arbeitsplatz und Familie Sturm zu laufen, dabei Mitleid zu schüren. Dabei hätten es alle wissen, alle den Mechanismus längst durchschauen können, hätten sie sich nur etwas eher mit dem Urprinzip Ursache und Wirkung beschäftigt. Aufwachen!

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murakami411

IKEA heute. Meine gute Tat.

jesus-small19:30 Uhr. Ikea. Kasse. Ein junges Pärchen, Mitte zwanzig, vor mir, er Asiate, sie Pekinese, schäkern rum. Sie legt die Konsumprodukte ordentlich aufs Band, er trinkt seinen Pappbecher Kötbullar leer und stellt diesen mitten auf die Ablage vor das Fließband.

Ich plaziere dank des hinderlichen Getränkebehältnis umständlich meine Sachen auf die maschinelle Beförderung. Hinter mir knurrt schon ein schwäbisches Braunhemd: “Was des nun widda soll!!!” An der Kasse sagt die Kassiererin zu den Twens: “Hier, nehmen Sie bitte Ihren Kassenbon”, ich greife zum Pappbecher und drücke diesen dem Asiaboy in die Pfoten und sage: “Und vergiss deinen Müll nicht!” Er reagiert mit hochgezogenenen Augenbrauen betont affig: “Jaaa … SORRY!” Bevor ich reagieren kann, kommt hinterrücks ein böses Keifen angefloddert: “Die Auslänner, die lasset halt überall ihren Müll liege!”

Durch das kontraproduktive Verhalten des einen und der faschistoiden Bemerkung des Herrenmenschen im Nacken andererseits, drehe ich mich wutentbrannt um und blöke den Altnazi im Kommadoton an: “Hier geht es um MÜLLTRENNUNG, nicht um RASSENTRENNUNG!” Zum Drachenkind gewandt, fauche ich noch: “Dein mangelndes Umweltbewusstsein macht dich selbst zum Müll der Gesellschaft, also mach dich vom Acker bevor ich dich dem Recycling zuführe!” und schon trollt sich Gollum mitsamt Torte eingezogenen Hauptes Richtung Ausgang. Großvater Adolf hinter mir steht inzwischen der Herzinfarkt ins puterrote Gesicht geschrieben, aber das Fressbrett des Alten bleibt verkniffen zu. Besser is das.

Schon kommt ein aufmerksamer Ikea-Mitarbeiter angeeimert und fragt höflich, ob alles in Ordnung sei. Die Kassiererin sagt mit glänzenden Augen und bebender Brust: “Nein, ja, JA! Dieser Herr hier hat das souverän geregelt!” Herr! Herr? Herrje! Sie nickt mir noch zu, will mir wohl noch aus reiner Geilheit ihre Handynummer auf meinem Bon schreiben, aber ich bin bereits in der kühlen Abendluft angelangt, und atme tief ein und diesen Mix aus miefigem Schrebergarten-Gedankengut und gedankenlosem LostGeneration-Verhalten mit einem befreienden Seufzer wieder aus. “Society, what have you done to me …” sind meine letzten Worte bevor ich den Nachhauseweg in die eigenen gottseidank menschenfreien vier Wände antrete.

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murakami411

Gibt es IKEA in Indien?

Ich habe es satt. Ich will einkaufen, dem Konsumterror frönen und jedesmal winselt mich ein Inder auf seinen blutiggescheuerten Knien an, um mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Die gleichen Inder, die auf den Volksfesten ihren Tand an Leute verscheuern, die selber Tand sind. Möchten sich ein kleines Zubrot verdienen, für eine Schüssel Reis mehr am Tag und einen neuen roten Lippenstift, um sich den Punkt auf der Stirn zu erneuern, denn der letzte ging fürs Schminken der Tochter drauf. Die verdient auch Geld. Mit ganz bemaltem Gesicht. Denn kleine Gesichter kommen gut, da sehen Schwänze immer eine Nummer größer aus, das steigert das Wohlbefinden der Freier.

Da stehen und sitzen sie also, knien auf ihren abgesifften Polstern und schauen einen mit einem Hundeblick an. Wo doch inzwischen jeder weiss, dass Hunde nur Flöhe haben und fressen und Kinder ins Gesicht beissen. Derangierte Gesichter mit ausrangierten retrokapitalistischen Taktiken und  trotzdem erfolgreich, genau wie die verkackten verflohten Köter. Finden immer einen Dummen, der sich ihrer annimmt.

Wenn man den Blick in die Sammelschale wirft, ist man gefangen, verloren, erwischt. Denn die sind gerade mit einer Handvoll Münzen gefüllt um den Eindruck zu erwecken, Scheisse, dem muss ich noch was geben, muss den Haufen Münzen etwas vergrößern. Dem muss ich was geben, muss zeigen das ich ein Gewissen hab. Ein guter Mensch bin, ein guter. Jaja. Um selbst dran zu glauben und letzendlich doch in der Hölle an einer Stange zu schmoren, denn Luzifer steht auf frisch ausgeblutetes Sünderkebab.

Aber anstatt sie anzuschreien, in die Familienplanung zu treten oder mit Missachtung zu strafen, kramt man zwischen Fusseln und ranzigem Kaugummi, welches seit zwei Jahren das Verfallsdatum überschritten haben, genau wie man selbst. Den Blick verzweifelt nach oben zu einem Gott gerichtet, der gerade Glücksrad schaut, sich am Sack kratzt und keine Zeit hat dir mit einem lässigen Fingerschnippen ein paar Cent in die Hand zu zaubern oder dich in die nächste Wichskabine eines Sexshops teleportieren könnte.

Und in diesem Moment, der das Zeitempfinden unangenehm verändert, denn du willst nicht zu lange bei diesem Unrat stehenbleiben, du könntest dich anstecken und selbst zu Unrat werden, in diesem Moment stellt sich für eine Tausendstelsekunde die Frage: Was kostet die Herstellung einer Patrone?

Genausoviel wie die 50 Cent die man in den Mc Donalds-Getränkebecher reinwirft, weil die grade zum Telefonieren genügen, und wieso sollte ein indischer Penner telefonieren wollen, wenn dann eh nach Indien um seiner Familienherde Hallo zu sagen, die grade eben dann keine Zeit hat, weil sie im zugeschissenen Ganges irgendwelche Waschungen vollzieht, vermutlich mit Seife. Seife aus Lauge, aus Asche, aus ihren Verwandten, die grade eben oder letzten Mittwoch (weil da nix Interessantes im indischen Fernsehen läuft, außer die zweitausendste Wiederholung von irgendwelchen Hindukuh-Unfällen, die sich jeden Tag in Indien ereignen) verbrannt worden sind. Der Kreislauf des Lebens nennen das altkluge Besserwisser und kratzen sich dabei die Arschfisteln blutig.

Was würde es ausmachen, dieses Ungesicht mit einer 50 Cent-Patrone zu beschenken, einem neuen Punkt auf der Stirn, der Hinterkopf platzt in einem roten Nebel, eine Gischt aus Blut spritzt an die nächste Betonwand. Graue Betonwand. Gebaut in den Siebzigern oder Achtzigern oder noch vor der beschissenen unbefleckten Empfängnis Mutter Theresas, dieser alten Fickschatulle (Danke an Denkschmerz für diese grandiose Wortschöpfung). Grauer Beton für graue Leute mit grauenvollen Gedanken. Die im Morgengrauen aufstehen, mit violetten Krampfadern im Gesicht vom letzten Vollsuff, die ihren Sony-Fernseher mit 186 cm Blackplanarluxtrinitronmatrix-TFT einschalten, um beim neuesten Fußfetischporno abzuwichsen. Die nicht langweilig sind, sondern auch mal Lust auf was Neues haben. Zum Beispiel Toast mit Schuhcreme zu beschmieren, den Hund zu ficken oder beim Pissen den Strahl anzuhalten, weil das abhärtet bevor die Hölle ihre Pforten öffnet.

Zurück zum Wesentlichen, sagt das Wisent.
Man will so einem Dorsch also mitten ins Gesicht schiessen oder zumindest scheissen, weil nicht grad jeder eine Knarre dabeihat, wenns dringend nötig ist, sowieso nicht in diesen Zeiten, wo jeder Zwölfjährige die Bleispritze seines Erzeugers im Kleiderschrank findet und damit die halbe Grundschule ausrotten kann. Also einfach Hose runter, Rosette gerunzelt und fett abgeschissen, bis der Zappergeck erstickt und falls nicht, dann halt noch ein paarmal drauftreten.

Wie laut sind brechende Knochen? Berstende Kiefer, Schlüsselbeine und Zahnhälse? Wieviel Dezibel? Gehört man dann schon zu den Lärmterroristen, die dummerweise immer über einem wohnen mit Parkett, Klavier und Rotzplagen, denen Steppschuhe geschenkt werden? Die wandelnden akustischen und meist auch optischen Beleidigungen auf zwei Beinen, die einem keine ruhige Minute gönnen, nicht mal wenn sie ins Bett gehen, weil sie vögeln wie Bohrschlaghämmer beim Straßenaufriss. Diesen Leute gehört ein Hörgerät an die Lauscher getackert, der Empfangspegel bis zum Anschlag hochgedreht und dann in den Kinderhort von IKEA geworfen. Gibt es IKEA in Indien? … to be continued!

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