murakami411

Suicide birds

Da sitze ich in meinem motorisierten Gefährt, nichtsahnend. Plötzlich stürzt sich ein Exemplar der geflügelten Gattung halsbrecherisch in einem tiefen Schwung von links kommend am insektengespickten Motorgrill vorbei. So tief, dass ich den Hals recke, um zu sehen, ob es dem gefiederten Genossen das Genick gebrochen hat oder ob er die rettende rechte Seite erreicht hat. Was treibt ein Federvieh zu so einer Verzweiflungstat? Hat man ihm ein Kuckucksei ins Nest gelegt? Oder handelt es sich hierbei um eine blöde Wette unter gelangweilten Piepmätzen? Ich finde keine passable Antwort auf meine Fragen. Ein Blick in den Rückspiegel sagt mir, irgendwie hat er es geschafft. Wie immer eigentlich. Erleichterung? Keine Spur. Gefrustet reisse ich das Steuer nach rechts, überspringe mit dem Vorderrad den Randstein und plätte mit voller Absicht ein paar Rotzaffen die gerade quäkend ihren Heimweg von der Schule angetreten sind. Schädel platzen wie Melonen, Knochen brechen in Tausendstelsekunden. Ein neongelber Scout Schulranzen fliegt durch die Luft und entlädt seinen Inhalt wie ein amerikanischer Bomber über Afghanistan. Ein Apfel rollt seiner ungewissen Zukunft auf dem Bürgersteig entgegen. Jetzt geht´s mir besser.

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Geschrieben in Zeitgeschehen | 3 Kommentare
murakami411

Angesagte Reime in der Waldorfschule II

Da warte ich auf die Rotzaffen am Schultor und eine Mutter mit Kind passiert meine Wenigkeit. Von der Kleinen höre ich noch die Wortfetzen “… bricht sich die Eier, morgen gibt es Spiegeleier!”. Die Mutter schaut entsetzt, hakt nach woher das Balg diesen Spruch hat und ich sage ihr, dass sie ihre ideelle Wahnvorstellung alternativer Lernprozesse wohl nun gegen  die harte Realität des Aggro-Waldorfblocks eintauschen werden muss. Mit aufgerissenen Augen zerrt sie das Kind in den Wagen und verschwindet sang- und klanglos in den Abgaswolken sich entfernender Gluckomobilen. Kurz nachgefragt, erfahre ich von der eigenen Brut den neuesten Reim:

Hänschen Klein
ging allein
in den Ulmer Sportverein.
Springt vom Dreier
bricht sich die Eier
morgen gibt es Spiegeleier!

Nachfolgend: Infantil-dämonisches Gelächter …

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Geschrieben in Kindermund tut Irrsinn kund | 2 Kommentare
murakami411

10 Impulse x 2 /// Warteschlangen

Was widert mich an? Das unerträgliche Pack an Warteschlangen. Und vor allem:

01 Die grobmotorischen Mettwürste, die in ihrer Drängelwut den gepanzerten Einkaufswagen mit 180 Sachen in meine Achillesfersen plazieren und mich feindselig anglotzen, als wäre es meine Schuld, dass sie nicht vorwärts kommen.

02 Die ekelhaften Penetratoren, die in ihrer hemmungslosen Ungeduld zwischen meinen Beinen rumfummeln, um an die unter dem Förderband plazierten Plastiktüten zu kommen, um sich letztendlich dann doch dagegen zu entscheiden und diese wieder zurückstopfen.

03 Die einsamen Seelen mit nassem Blick, die mich immer wieder wie zufällig berühren, auch wenn ich einen halben Meter abgerückt bin.

04 Die beuteltragenden Hackfichten, die den ganzen Laden abgerannt sind und nichts gefunden haben, um sich dann mit Gewalt an der gesamten Schlange vorbeizudrängen und mit ihrem Eastpak-Supersize-Rucksack Kindernasen blutig schlagen und bei Schwangeren Sturzgeburten verursachen.

05 Die indiskreten Geheimzahlenspanner, die mir beim Geldabheben am Bankautomaten so dicht aufrücken, dass ich ihre faulig-monetäre Geilheit riechen kann.

06 Die Intelligenzbestien, die erst am Schalter die Überweisung oder den Paketschein ausfüllen und dann unterbrechen, weil ihnen die Bank- oder Adressdaten nicht mehr einfallen.

07 Die gleichen Intelligenzbestien, die am Geldautomat stehen und auf ihrem Handy in Zeitlupe nach dem PIN suchen.

08 Die ignoranten Mütter, die ihre nach Süßigkeiten brüllenden Rotzaffen einfach nicht zur Räson bringen, weil sie als Kinder selbst Arschlöcher waren und es leider geblieben sind.

09 Die ignoranten Rotzaffen, die trotz fehlgeschlagener Erpressungsversuchen die Süßigkeitenauslage an der Kasse plündern, um letztendlich die Waren zerdrückt zurück zu legen.

10 Die dementen Geldbeutelsucher, die zufälligerweise eine Anglerweste mit 37 Einzeltaschen tragen und nach 15 Minuten erfolgloser Suche und dämlichen Grinsen feststellen, dass der Geldbeutel noch im Auto liegt.

11  Die fast erblindeten Senioren, die ohne Sehhilfe den Geldbeutel zuerst nach einzelnen Centstücken absuchen, um dann den ganzen Inhalt auszukippen, wobei die Hälfte auf der Erde landet, unter die sie schon längst selbst gehören.

12 Die labernden Quatschtanten, die so in ihrem inhaltslosen Meinungsaustausch stecken, dass sie den Buy-and-Pay-Flow aufhalten und dann noch beleidigt sind, wenn man sie darauf hinweist, dass sie sich den Scheiss für den anstehenden Friseurbesuch aufsparen und ihre fetten Ärsche vorwärts bewegen sollen.

13 Die vom Leben gestraften Autisten, die mit ihrem leeren Blick dastehen wie zweibeinige Nahtoderfahrungen und erst nach dem dritten Ansschreien zusammenzucken und weiter trotten.

14 Die Wichtigtuer, die gerade eine 5000 Euro Popcornmaschine gekauft haben und großspurig mit der Kassiererin quaken, damit auch jeder hört und sieht, was für geile Konsumhengste sie sind.

15 Die gleichen Wichtigtuer, die statt vorher den Fachberater nun die Kassiererin befragen, ob die Fernbedienung für den Popcornautomaten nun noch Batterien braucht und ob eine Kindersicherung im Gerät ist.

16 Die speicheltriefenden Vollspasten, die trotz metergroßer Hinweisschilder mal wieder die Bananen nicht abgewogen haben.

17 Die vergesslichen Familienväter, die das Förderband bestückt haben und dann alles stehen und liegen lassen, um am anderen Ende des Supermarkts noch ein extrem wichtiges Alete-Gläschen zu besorgen oder nach den verlorengegangen Rotzaffen zu suchen.

18 Die aufdringlichen Psychos, die sich in fremde Gespräche einmischen, weil sie Frau und Kinder schon vor drei Wochen erschlagen, zersägt und tiefgefroren haben und sich nun mal wieder nach einem Gespräch mit einer lebenden Person sehnen.

19 Die superfreundlichen Pfadfinder, die einen vorlassen wollen und dann superunfreundlich werden, wenn man sagt, dass man Zeit hat und dankend abwinkt.

20 Die kinderlosen Tierliebhaber, die ihren Köter trotz Verbotsschilds mit in die Metzgerei nehmen, um dann unbekümmert die vierbeinige Flohfabrik an fremden Geschlechtsteilen schnüffeln oder sich im schlimmsten Fall an fremden Waden verbeissen lassen.

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Geschrieben in 10 Impulse | 2 Kommentare