murakami411

Gut und Böse

Ich dachte auch mal, ich werde höchstens dreißig.

Wieso das?

Naja, die Guten sterben jung. und dann musste ich eines Morgens feststellen, dass ich nicht zu den Guten gehöre. Und das wird sich auch nicht mehr ändern.


Das Böse und das Gute

Das Böse kämpft gegen das Gute,
das Gute ruft: Ich blute!
Das Böse sagt: Ich auch!
Das Gute fragt: Am Bauch?
Da stößt das Böse zu,
denn es gibt keine Ruh‘!

Das Böse kennt die fiesesten Tricks,
das Böse sieht schon so aus.
Das Böse ist schwarz, wie die Katze,
das Gute ist grau, wie die Maus.

Das Gute ist überall erlaubt,
das Böse ist streng verboten.
Das Gute ist gut,
das Böse hat die höchsten Einschaltquoten.

Das Böse ist sexy und interessant,
es verkörpert alles Schlechte.
Das Gute singt die schönsten Lieder,
das Böse besitzt die Rechte.

Das Gute sagt: Nichts überstürzen, wir überlegen noch
Das Gute ist ein Suppenhuhn, das Böse ist der Koch.

Das Böse kämpft gegen das Gute,
das Gute sehnt sich nach Frieden.
Und es gibt tatsächlich Leute,
die glauben, es steht unentschieden.

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nyx

Hochzeit vs. Beerdigung

Beide habe ich schon häufig besucht. Bis heute weiß ich nicht, wo ich mich wohler fühle. Ja, ich weiß, pietätlos. Klar, ist der erfreulichere Anlass die Hochzeit, sofern nicht gerade die eigene Liebe des Lebens heiratet, oder der größte Erzfeind verstorben ist. Das ist mir durchaus bewusst. Allerdings gibt es ein paar Gründe, die mich zweifeln lassen, bei welchem Anlass ich mich wohler fühle, die Personen mal außer Acht gelassen, welche die „Feierlichkeiten“ begründen.

Bei der Wahl der eigenen Kleidung fängt es doch schon an. Während ich nur sorglos in den Kleiderschrank greifen muss, um etwas traditionell Schwarzes in der Hand zu halten, zermartere ich mir den Kopf, was ich auf der Hochzeit tragen könnte. Das einzige was klar ist, dass weiß tabu ist und schwarz irgendwie unpassend. Welche Gäste sind anwesend, waren die auch auf der letzten Hochzeit? Würde gegebenenfalls jemand das Kleid wieder erkennen, passe ich da überhaupt noch rein? Welche Farben tragen die Brautjungfern, was trägt die Braut, falls sie nicht in weiß heiratet? Und schlussendlich klappere ich doch wieder sämtliche Läden ab, in der Hoffnung ein schönes neues und völlig überteuertes Kleid zu finden, welches ich dann doch nur ein einziges Mal tragen werde. Irgendwann fällt mein panischer Blick dann auf die nackten Füße. Also geht das Spiel von vorne los und die Suche nach den zum Kleid farblich passenden Schuhen beginnt.
Bei der Beerdigung ist es völlig egal in welchem schwarzen Fetzen ich aufkreuze, da niemand darauf achtet, was wer schon mal getragen hat und das Schwarz in der Masse verschwimmt. Schwarze Schuhe finden sich wie von selbst im Repertoire, ohne dass man qualvolle Stunden auf 10cm-Absätzen durchhalten muss. Den eigenen bad hair day kann man zur Not unter Hut und Sonnenbrille verstecken.

Da glaubt man, das Thema Kleidung sei damit abgehandelt, so geht es auf der Hochzeit direkt weiter, indem man der Braut heuchlerisch beteuern muss, wie schön sie doch in diesem lachsfarbenen Monstrum mit zu viel Tüll aussieht. Und natürlich sitzen Make-up und Frisur perfekt, man will ihr ja schließlich nicht den Tag versauen. Ebenso wäre sie beleidigt, hätte man etwas an der Farbe der Brautjungfernkleider oder gar der Dekoration auszusetzen. Auf einer Beerdigung fragt keiner, wie man sein Outfit findet, geschweige denn interessiert es irgendwen, ob etwas dekoriert ist und ob die Deko zum Sarg oder zur Urne passt. Dem Toten ist vermutlich auch egal, wie er aussieht.

Ebenso wurde ich im Anschluss an eine Trauerzeremonie noch nie gefragt, ob es mich auch zu Tränen gerührt hätte, weil es ach so schön war. Ich wurde auch nie gefragt, ob ich zum Toten oder zu den Verbliebenen gehöre, um mich in der Kirche auf eine Seite zu setzen. Neid und Eifersucht sind auf Beerdigungen auch wesentlich seltener vorhanden und man wird nicht gefragt, ob man selbst auch vor hat zu sterben, wie man sich die Feier für einen selbst vorstellt und wann es so weit sein wird. Auch wünscht sich sonst für Gewöhnlich niemand, an der Stelle des Toten zu sein. Man muss nicht versuchen den Strauss aufzufangen und kann sich beim anschließenden Leichenschmaus den Bauch voll schlagen, ohne dass man blöd angeguckt wird, weil man ja schließlich die Trauer irgendwie verarbeiten muss. Man muss sich keine Sorgen machen, was der Gastgeber denkt, wenn man sich als erstes vom Fest verabschiedet und Trauer eignet sich als beste Ausrede, um einem langweiligen Gespräch zu entfliehen. Ebenso darf man ruhigen Gewissens schlechte Laune haben und muss sich kein Lächeln ins Gesicht tackern.

Ich war schon als Begleitung auf Hochzeiten eingeladen, bei denen ich noch nicht mal das Brautpaar kannte, geschweige denn die anderen Gäste. Auf Beerdigungen kannte ich bisweilen mindestens den Verstorbenen und brauchte nicht mal eine Einladung, um auftauchen zu dürfen. Auch kann man da alleine aufkreuzen, ohne als einziger Erwachsener sein Namenskärtchen am Kindertisch entdecken zu müssen und von den anderen Gästen mitleidig angeguckt zu werden. Bei einer Trauerfeier musste ich mich außerdem nie in einer Schlange einreihen, um einen Nachtisch zu ergattern, oder das Essen beim Gastgeber gar überschwänglich loben. Die Streiche zur darauf folgenden Nacht fallen weg und niemand erwartet, dass man beteuert, wie schön die Feier war. Man muss dafür nicht mal hupend in einer Kolonne geschmückter Autos zum Ort des Geschehens fahren und in manchen Fällen begrenzt sich die Feier auf den Abschied des Junggesellen, ohne dass es erst der Anfang war.

Ich hab bisher auch nie erlebt, dass ein Toter oder die Verbliebenen während der Feier entführt wurden und von anderen gesucht werden mussten. Die Witwe sah ich auch noch nie ihr Strumpfband versteigern, sofern sie eins trug. Ebenso wenig musste ich mich bei einer Beerdigung in ein Gästebuch eintragen und mir entsprechend einen kreativen und passenden Spruch einfallen lassen, den man noch nach Jahren toll finden kann. Geschenke beschränken sich für Gewöhnlich auch auf Blumen oder ein Din-A6-Format. Niemand rennt gestresst rum, damit der Tag auch wirklich zum schönsten des Lebens wird. Man muss sich nicht ständig in Pose begeben, weil man fotografiert oder gefilmt wird und niemand fordert einen dazu auf, bei irgendwelchen Spielen mitzumachen oder zu tanzen. Die Musik ist im Normalfall eher dezent und für jeden Geschmack passend zum Anlass, ohne dass ein drittklassiger DJ engagiert werden musste. Der Gastgeber muss sich keine Gedanken machen, ob allen das Fest gefällt und ich glaube auch nicht, dass sich der Tote fragt, ob er aus der Sache noch mal lebendig raus kommt.

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nyx

Der Himmel kann nicht perfekt sein, solange es regnet.

Der Schutzpanzer den ihr mir auferlegt habt, ist so schwer, dass ich in das Kissen unter mir sinke. An dem Kissen haftet noch immer der Geruch der Vergangenheit. Ich blicke zu euch nach oben. Dein Mund schmerzt ihn so sehr, dass Du ihn nicht öffnen kannst, ohne ihn zu verletzen. Hinter meinen geschlossenen Augen kann ich das Funkeln eurer Augen nicht abstellen, welches schon einige Jahre zurück liegt. Es gab eine Zeit, in der hättet ihr die Fenster in eurem Zimmer neu angeordnet, damit ich mich wohler fühle, während sie unter seinen liebevollen Berührungen lag.

Eure Gesichter sind mir so vertraut, ich kenne sie auswendig und doch verändern sie sich mit jedem Augenblick, in dem ihr verweilt und auf mich herab blickt. Ihr verfolgt jede meiner Bewegungen, doch ich liege beinahe regungslos. Er braucht dich immer dann mehr, wenn du ihn weniger willst. Wie eine ungeschickte Wunde, wenn man an einem Sommertag über das Kopfsteinpflaster taumelt. Auf der sonnigen Seite ruhe ich, während ihr im Schatten sitzt und ich euch dabei zusehen muss, wie ihr mich langsam vergesst.

Wenn ihr gegenseitig in euren Tagebüchern lesen würdet, würdet ihr feststellen, dass ich all die Worte bin. Hunderte von Seiten die ihr überfliegen würdet, um einen Hauch von mir zu fühlen. Ihr würdet versuchen sie zu nummerieren und mich durch die richtige Anordnung wieder ein Stück lebendiger zu machen. Unterstreicht dabei die Liebesbeweise mit rot und rahmt sie ein, damit ihr eure Gefühle füreinander nie vergesst. Lasst sie dann in euren Mund klettern, damit sie sich ausbreiten können und ihr allen von mir erzählen könnt.

Einer von euch dreht die Uhr zu schnell nach vorn, sodass mir schwindelig wird beim Versuch der Zeit zu folgen. Ich verzeihe euch, dass ihr wusstet, dass die Zeit mich umbringen würde, auch wenn ihr gehofft hattet, ihr könntet mich auf ewig jung und haltbar machen. Daran ändert sich auch nichts, wenn ihr ständig hin und her lauft.

Geht raus und schreit, wenn euch danach ist, denn die herrschende Stille zwischen euch schmerzt in meinem leeren Brustkorb. Ihr füllt den Raum mit Schmerz und Trauer. Niemand hört euch weinen, also lasst endlich los, damit ihr von vorn beginnen könnt. Da jeder von uns zu gleichen Teilen nahm und gab, haben wir am Ende keine Rechnung zu begleichen.

Keiner von euch hat bemerkt, dass ich bereits seit einer Weile dabei bin zu sterben. Gerade als ihr dachtet, ihr könntet mich noch einmal retten, entgleite ich euch in die Dunkelheit. In meinem linken Arm halte ich all euere Erinnerungen geborgen. Vielleicht ist das der Teil von euch, der mit mir stirbt. Den ihr dann vermissen werdet, wenn ihr zurück blickt.

Weit entfernt von aller Unschuld höre ich, wie ihr im Takt weint.
Ich höre eine Stimme nach mir betteln. Sie fleht mich an zu bleiben. Ich kann nicht orten, wem sie gehört. Irgendwann endet die Realität und euer Leben setzt wieder ein. Mit einer neuen Liebe.

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murakami411

Day of the dumb

“Rudolf” ruf ich, und Rudolf antwortet “Ja, bin gleich da” und schon rückt das kaltrote Unvermeidliche heran, wie die Massen beim Winterschlussverkauf, Menschenleiber pressen sich in ihrem geiferndem Kaufrausch an doppelverglaste Schwingtüren und nicht nur Nasen werden plattgedrückt, weiß stehen die Knöchel der Finger ab, mit schraubstockfestem Griff wird die Lederbörse umklammert, Blicke wandern zielstrebig in das Innere des Konsumtempels, wie Chirurgen, die nach dem bösen Tumor suchen oder einem verlorengegangenen Wattebäuschen, hei, da lacht der medizinisch-technische Assistent, da kann er was seiner Freundin erzählen, die hat er erst seit zwei Wochen, die glaubt ihm noch alle blutrünstigen Storys und gähnt nicht wie die letzte, das frigide Stück, gut, dass er die los ist und so prägt er sich die Details ein, schmückt sie noch etwas aus, kommt besser, macht dem kleinen Mädchen große Augen, das ist besser als Schokolade und Wii zocken, viel mehr gibt es ja nicht mehr in seinem Leben, das ihn noch vom Hocker reisst; einem Ikea Hocker wohlgemerkt für knapp nen Zehner, da ist gut dran gespart, bleibt was übrig für neue Tennissocken, auch wenn seine Mutter ihm immer sagt, dass weiße Tennissocken in den  80ern besser waren, weil da sowieso sämtliche Modeverbrechen aller Dekaden in ein Jahrzehnt gepresst wurden, wie die Abfälle die ein Metzger in eine schloddrige Pelle presst, der Kunde steht doch auf Salami und ja rohes Fleisch ist immer noch der Deutschen wertvollstes Gut, deswegen verkaufen sich die Zwiebelmettbrötchen um die Mittagszeit fast von alleine, Hand auf, Münzen auf die Theke, Brötchen in den Schlund, sattgefressen noch bevor die Türbimmel das zweite Mal schellt, wandern sie wieder raus, zu ihren Baustellen, zu ihrer Drecksarbeit, genau wie der Metzger und die frische Luft ist keine, sie stehen mitten in den Abgasen, atmen Ruß und Teer, rütteln sich dumpf mit Schlagbohrgeräten, denken an nichts oder an Fußballergebnisse oder wie ungern sie arbeiten oder wie ungern sie nach Hause gehen, weil die Alte sicher wieder rumkeift, wen hat man da geheiratet, wer hat einem das nur eingeredet, das Balg bringt nur noch schlechte Zensuren nach Hause, egal wie sehr man droht und prügelt und dann fährt auch noch dieser dicke Benz vorbei, mit einem mindestens genauso dicken Lackaffen am Steuer, mit einer dicken Zigarre versteht sich, aus Kuba, dort wo einige lateinamerikanische Tänze tanzen, während andere in Kellern gefoltert werden oder ein paar Nutten HIV verbreiten, wie Karnevalsjecken in Köln Bonbons an Kinder verteilen oder auch mal mit voller Wucht in die Menge pfeffern, denn keiner kennt die geheimen Wetten der Zugbegleiter, die Kreuzchen an die Bordwand malen, immer dann wenn jemand aus der Menge vor Schmerz zusammenzuckt – Bonbons können echt hart sein, heimlich gegrinst, dem Nachbarn zugezwinkert, noch ein Kreuzchen gemacht in einer Reihe, wie die Flugzeuge, die Streubomben über arabische Bösewichte ausschütten, eine tödliche Fracht, wie der kiloschwere Konsum von rohem Fleisch oder das Riechen an alten weißen Tennissocken, wirklich gruselig die Vorstellung und dann drückt jemand von hinten nach, und man bekommt die Tür nicht auf, geht ja nach außen auf und der Nebenmann bemerkt´s – schafft´s als erstes und die guten Winterjacken klemmen in Fünferbündeln unter seinem schweißnassen Arm und ich rufe noch “Rudolf, komm endlich!” und Rudolf lädt durch und schießt den ersten Irren über den Haufen, denn wir sind die letzten normal Gebliebenen, die nun die Erlösung mit der Bleispritze bringen, keiner wird´s uns danken, Scheisswelt.

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murakami411

Klopapierrolle des Todes. Durchschauen verboten!

Schau NIEMALS durch die Klopapierrolle des Todes! Gibt es einen Verrückten der es doch tut, entscheidet sich die Rolle, ob derjenige der durch sie angeschaut wird oder derjenige der durchschaut STERBEN muss! Schau NIEMALS durch die Klopapierrolle des Todes!

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murakami411

Christoph Schlingensief ist tot.

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murakami411

Unaussprechliches

Der Tod als Thema
ist in dieser Gesellschaft
nicht überlebensfähig.

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Decay

Auf-hören.

Ihre Atmung war sehr langsam. Regelmäßig. Wenn die Luft durch ihre Nase und ihren Hals strömte, hörte es sich an wie Wind in einer Höhle am Meer, der einem ab und zu über die Haut streichelte. Den Schweiß erkalten ließ. Sie ihren dehydrierten Körper spüren ließ, der schon so lange aufgegeben hatte, weil sie seit Tagen am verdursten war, in dieser Höhle. Und nur etwas Sonne drang durch die schmale Öffnung oben zwischen dem Gestein, durch das sie den Himmel sehen konnte.

Aber sie war in keiner Höhle. Es war auch nicht die Sonne, die in ihren Augen kitzelte. Es war die monoton surrende Lampe des Spiegelschrankes im Badezimmer. Wie ohrenbetäubend laut so ein Geräusch werden kann, wenn man nur lange genug nicht spricht. Und sie sprach fast nie. Mit wem auch, außer sich selbst. Und selbst das tat sie ohne den Mund zu öffnen. Es passierte alles in ihrem Kopf. Wie so vieles einzig und allein dort stattfand. Ihr Kopf war der einzige Ort, an den sie sich zurückziehen konnte, weil sie sich dort sicher fühlte. Hier konnte sie für sich sein und musste niemanden sonst rein lassen. In ihrer Fantasie war alles in Ordnung. Zumindest glaubte sie das. Darum störte sie hier auch nichts.

Ihre Wohnung. Das dunkle kleine Zimmer ohne Fenster. In dem nicht mal das Nötigste stand und sich die Umzugskartons seit Monaten stapelten. Es war ihr egal. Sie musste nur ihre Augen schließen, dann konnte sie allem entfliehen. Sie konnte alles zurücklassen, alle Verantwortung, alle Pflichten und alle Rechte. Wenn man lange genug auf der Flucht ist, erreicht man einen Zustand, in dem man eigentlich immer die Augen zu hat. Man übersieht den Briefkasten, aus dem schon die ersten Umschläge herausragen und kümmert sich nicht mehr um Nachbarn, die einen im Treppenhaus grüßen, nur um dann ein paar Stufen weiter etwas unverständliches zu flüstern. Man ignoriert auch die Signale des eigenen Körpers, als würde man ihm klarmachen wollen: „Hier habe ich die Kontrolle. Du hast nichts zu melden.“

So verstummen Hungergefühle und wandeln sich in ein angenehm warmes, weiches Kokon das einen schützend umgibt. Fast so, als würde man den Kopf in den Schoß seiner Mutter legen und ihre Hand auf der Stirn spüren. Man gräbt sein Gesicht in den Stoff, der leise raschelt und knistert wenn man sich auch nur ein kleines Bisschen bewegt. Und manchmal hört man den eigenen Herzschlag am Ohr, was fast klingt wie Schritte in feinem Kies. Das eigene Herz zu hören beruhigt und die Vorstellung von Kies unter den Füßen lässt einen von sonnigen Tagen im Park träumen. Und ganz unbewusst passt man seine Atmung den eigenen Schritten an.

Ihre Atmung war sehr langsam. Regelmäßig. Wie ein Herzschlag. Doch den konnte sie kaum noch hören. Als hätten ihre Schritte sich vom Boden gelöst und würden ins Schweben übergehen. Ihr Blut war auch schon eine Weile nicht mehr warm, sondern klebrig und dick. Es hatte aufgehört zu tropfen. Doch den Rhythmus der bis vor einigen Minuten noch von ihren Fingerspitzen rannte hatte sie inzwischen in ihre Atmung übernommen. Sie konzentrierte sich darauf. Dachte an Höhlen und Kies. An ihre Mutter. Sie schloss die Augen. Die Lampe summte nicht mehr.

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murakami411

Der Geiz ist ein Meister aus Deutschland

Bestattungsunternehmer Norbert Papke aus dem altgriechischen Würzburg bietet seinem rottenden Klientel eine kostengünstige Alternative zum feudalen Mahagonischrein: Der ökologische Faltsarg aus Pappe, auch “Peace Box” genannt, lässt sich ohne Werkzeug in wenigen Minuten transportfertig zusammenklastern. Für schlappe 50 Öcken kann auch die zweibeinige Hartz-4 Endlagerstätte das preiswerte Erdmöbel vorsorglich monetär erwerben und seinen Nachfahren unsägliche Folgekosten seines Ablebens ersparen. Da der Zellstoff-Totenlade aus bürokratischen Gründen nur die Feuerbestattung gegönnt wird, bleibt nach 15 Minuten flammender Leidenschaft gerade eben das übrig was den meisten Leuten für eine pompöse Beerdigung fehlt: Genügend Asche.

skull_klein

Zeichnung von murakami411 (1992).

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murakami411

Internationaler Schauspieler stirbt an Schweinegrippe

kermit

Und wir wissen ALLE, wer ihn angesteckt hat …

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